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Eidgenossen noch höher anzuschlagen. Denn sie greifen einen Feind an, der sich im Vorteil der Uebermacht und des Geländes befindet. 4. Die Taktik und Bewafftnung der griechischen Hopliten bewährt sich um so besser gegen persische Infanterie, als sich die Griechen gegen Angriffe persischer Reiterei hier nicht zu decken haben. 5. Im Mauerkampf zeigen sich wieder, wie bei Platää, die Athener als Meister. 6. Hier wie bei Platää handelt es sich zunächst um die Erstürmung einer Schild- schutzwehr, sodann um die Einnahme einer stark befestigten Verschanzung.(Zur Anstellung von Vergleichen fordert Herodot gewissermassen selbst auf, vgl. 101 Anf.) 7. Hier wie dort fällt der Oberanführer auf persischer Seite. 8. Bei Platää nehmen die Griechen noch eine Defensivstellung ein, bei Mykale liefern sie die erste Offensivschlacht gegen die Perser. 9. Bei Platää ist die gefürchtete persische Reiterei stark vertreten, bei Mykale gar nicht. 10. Hier wie dort kämpfen die Perser im Nahkampfe mit Vorliebe rottenweise. 11. Lehrreich ist die Schlacht bei Mykale auch insofern, als sie die Macht des Beispiels beleuchtet. Alle Jonier haben das brennende Verlangen, von den Persern abzufallen. Den Mut dazu bekommen sie aber erst, als die Samier den Anfang gemacht haben.
Nicht aber die Kenntnisnahme der äusseren Vorgänge im Verlaufe des Kampfes ist das Bildende, sondern die geschichtlichenldeen, die hier Gestalt gewinnen, und die geschichtlichen Wahrheiten, die zur Anschauung kommen. Denn was dem Auftreten der Griechen im Freiheitskampf Halt und Kraft, Mut und Stärke in reichem Masse verliehen hat, es war weiter nichts als die Begeisterung für Recht und Freiheit, Religion und Vaterland, Eigenart und höhere Kultur. Davon verspürten die despotisch regierten Barbaren nicht das geringste. Unter gewissen Um- ständen, wie den hier obwaltenden, ist ganz richtig, was Fichte meint, wenn er sagt:„Notwendig siegt die Begeisterung über den, der nicht begeistert ist.“
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