Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 2. Teil
Entstehung
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ist es wichtig, in Betracht zu ziehen, dass es von vornherein in der Absicht der Griechen lag, den Feind auch von der Seite, an dessen linkem Flügel, zu fassen. Somit hatten die Lakedämonier, die den rechten Flügel führten, im Gegensatz zu den Athenern nicht nur einen weiteren Weg zurückzulegen, sondern sie hatten auch mit bedeutenden Terrainschwierigkeiten zu kämpfen. Dieser Umstand erklärt ihr spätes Eingreifen in die Schlacht.

Wenn wir die bis Kap. 102 mitgeteilten Vorgänge als Vorspiel betrachten, so gliedert sich der Verlauf der Haupt- handlung selbst in folgende Teile: 1. Getrennter, wiewohl in der Richtung nicht verschiedener Vormarsch der beiden Flügel. 2. Der linke Flügel eröffnet den Kampf gegen das persische Landheer. 3. Die angreifenden Hellenen werden von einem Pfeilregen der durch die Schildschutzwehr gedeckten Perser überschüttet. 4. Die Athener durchbrechen und nehmen die Schutzwehr; trotzdem halten sich die Perser noch. 5. Schliesslich fliehen sie in die Verschanzung. 6. Die Athener und Genossen dringen gleichzeitig mit den fliehenden Persern in die Ver- schanzung ein. 7. Standhafte, erbitterte Gegenwehr der Perser in der Verschanzung, alle anderen Barbaren fliehen. 8. Ein- greiten des rechten Flügels und Vollendung des Sieges. 9. Nebenher geht die Mitwirkung der Jonier, und zwar schon ziemlich früh vollzieht sich der Abfall der Samier. 10. Ihr Beispiel ist für alle Jonier das Zeichen zum Angriff auf die Barbaren. 11. Die Milesier bringen den auf der Flucht befindlichen Barbaren grosse Verluste bei.

Folgende, in mehrfacher Hinsicht interessante Züge mit sich daran knüpfenden Urteilen und Vergleichen unsererseits heben wir noch hervor. 1. Beim Angriff auf die persische Schutzlinie betätigt sich ein merkwürdiger Ehrgeiz der Athener. Die Ehre des Tages solle ihrem Flügel, nicht den Spartanern zukommen. Dieser Wetteifer an sich ist im höchsten Grad lobenswert, nur ist er sehr nahe verwandt mit Missgunst und Neid. Mit der späteren Feindschaft zwischen Athen und Sparta ist er demselben Wurzelstock entwachsen.(Das aggressive Vorgehen zweier verbündeten, im Grunde aber auf einander sehr eifersüchtigen führenden Staaten, Athens und Spartas, ergibt eine Beziehung zu der Geschichte Preussens und Oesterreichs im Jahre 1864.) 2. Die Schlacht bei Mykale stellt der persischen Tapferkeit ein rühmliches Zeugnis aus. Die übrigen Barbaren ffiehen, nur die Perser halten stand, trotzdem das Schiffslager von Feinden überflutet ist, und weichen nur der äussersten Bedrängnis. Zwei Oberbefehlshaber fallen. 3. Dementsprechend ist die vorzügliche Haltung der griechischen