— 27—
müssen. Aristides ist der einzige Staatsmann, über den sich Hlerodot ein abschliessendes Urteil erlaubt. ¹) In der Unterredung zwischen Themistokles und Aristides sind die Worte:„Wisse, dass dies auf meine Veranlassung von den Medern geschehen ist“ am bedeutungsvollsten. Sie erst heben den Schleier und lassen den Aristides klar sehen. Im Stillen mag er sich gesagt haben, es sei keine Schande, gegen einen so unvergleichlich erfindungsreichen Kopf früher den kürzeren gezogen zu haben. Aus Stolz auf den gelungenen Einschluss ist Themistokles freudigst bewegt und muss seinen Gefühlen Luft machen. Wes das Herz voll ist, davon läuft der Mund über. Wenn aber Themistokles dieses Bekenntnis schon vor der Schlacht zum besten gibt, so können wir uns daraus einen Begriff machen von der Grösse seiner Zuversicht. Die Eidgenossen selbst aber verhalten sich sogar dem Augen- zeugen Aristides gegenüber teilweise misstrauisch; dies beweist, dass Themistokles nicht zu weit gegangen war, wenn er meinte, ihm würden die Herren des Kriegsrats doch nicht glauben. Der Unglaube findet seine Erklärung in dem bekannten Satz Caesars(bell. gall. III, 18): fere libenter homines id, quod volunt, credunt. Die tenische Triere erst muss die Richtigkeit bestätigen. Der Uebergang der Männer von Tenos im Augenblick der höchsten Gefahr berührt das jugendliche Gemüt äusserst sympathisch und vermehrt die Zahl der fesselnden Züge des ganzen Vorspiels. Dahin gehört auch die Anrede des Themistokles. Dass Feldherren vor Beginn der Schlacht zur Aufmunterung der Mannschaft auch das Wort nicht verschmähen, weiss der Schüler bereits aus der Lektüre des bellum gallicum, wo es so oft heisst: Caesar cohortatus suos proelium commisit. Den Wortlaut der Ansprache des Themistokles teilt uns Herodot nicht mit. Er gibt uns ganz allgemein an, auf welchem Gebiet sie sich bewegt. Wir haben es offenbar mit einer psychologisch fein berechneten, temperamentvollen Kundgebung zu tun, die den Kämpfern in der anschaulichsten und wirkungsvollsten Weise je nach ihrem Verhalten in der Schlacht eine glänzende oder aber eine trostlose Zukunft in Aussicht stellt. 2) Natürlich, nur Themistokles hatte unerschütterliches Vertrauen und er
1) Vgl. Jvo Bruns, a. a. O. S. 105 ff.
²) Aehnlich so verfährt are d in seinen Kriegsliedern. Wie wir im Anschluss an VII, 46 den Schüler mit Theognis bekannt gemacht haben, so wollen wir auch diese Gelegenheit benutzen, seine Nenntnis der griechischen Lyriker zu erweitern. Der Lehrer gebe eine geschmackvolle Uebersetzung von TPyrt. Fragm. 10 und 12 und lese dann erst das Original vor. Vgl. Helm, Materialien zur Herod. Lektüre I, S. 65


