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Dem glühenden Eifer des Themistokles gegenüber wirkt die ängstliche Unentschlossenheit des Eurybiades und die offene Feindschaft der rivalisierenden Korinther(VIII, 59 u. 61) in höchstem Grade abstossend. Schliesslich dringt ja der Wille des Themistokles durch; aber wer sieht nicht, dass in diesem Mangel an Einmütigkeit die Keime späteren Zerfalles liegen? Heil dem Bundesstaat, der von einer festen zZentralgewalt geleitet wird!
Die grosse Aehnlichkeit der Lage und eine gewisse Gemeinsamkeit der Züge im Auftreten der leitenden Persönlich- keiten zwischen VIII, 56— 63 u. VI, 109 u. 110 ist unverkennbar. Nur nehmen die Verhandlungen bei Salamis einen leidenschaft- lichen Ton an, der offenen Bruch befürchten lässt. Hier Themistokles, dort Miltiades, hier Eurybiades, dort Kallimachus. Der Erfolg ist der nämliche. Was wir dort¹) über die Sprache des Herodot in der Rede des Miltiades dargelegt haben, gilt auch hier.
Die Ansprache des Themistokles zeichnet sich durch Kürze, Klarheit, Nachdrücklichkeit und Ueberzeugungskraft aus. Recht hat Cornelius Nepos, wenn er sagt: Celeriter quae opus erant reperiebat, facile eadem oratione explicabat, quod de instantibus rebus verissime iudicabat et de futuris callidissime coniciebat.
Von allgemein menschlicher Bedeutung ist der Schluss- gedanke der Rede.„Allen Menschen, die einen vernünftigen Ratschluss fassen, pflegt es gewöhnlich zu glücken; wo sie aber keinen vernünftigen Ratschluss fassen, da pflegt auch die Gottheit nicht der menschlichen Entschliessung Beistand zu verleihen“. Eine herrliche Mahnung wird hier dem jungen Menschen auf den Weg durchs Leben mitgegeben:„Glaube nicht, dass Du Aussicht hast auf Gottes Segen, an dem alles gelegen, wenn Du nicht vorher Deine volle Schuldigkeitgetan hast durch gewissenhafte Ueberlegung und tatkräftiges Handeln!“(Bete und arbeite!)
Des Themistokles treffende Kürze im Wortgefecht mit Adimantus hätte dem gewiegtesten Spartaner Ehre gemacht. Interessant ist ferner die in der Art seines Auftretens liegende Steigerung: Gewinnende Vorstellung, milde Entgegnung, ein- dringliche Klage, inständige Bitte, stürmisches Verlangen, fürchterliche Drohung.
Sehr bezeichnend ist auch der Umstand, dass Themistokles im Kriogsrat(59) vor Eurybiades das Wort ergreift. Es ist
¹) vel Helm, Materialien zur Herodotlektüre I, S. 25 ff.


