K. 56— 64.
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der energischen Leitung des Generalephorus der Altertümer ausgeführten Arbeiten haben uns zugleich mit den über einander gehäuften Bautrümmern der persischen Zerstörung Kunstwerke geliefert, die seit Jahrhunderten begraben gelegen hatten. Eine ununterbrochene Folge wunderbarer Entdeckungen hat die von den Soldaten des Xerxes verstümmelten Marmor- statuen, die Ruinen der 480 nach Plünderung der Burg von den Asiaten zerstörten und in Brand gesteckten Tempel wieder ans Licht gebracht. So lebt die Geschichte der athenischen Kunst vor den Perserkriegen für uns mit einer seltenen Klarheit wieder auf; wir gewinnen sogar ein lebendiges Bild von den Anfängen einer Schule, die dereinst alle ihre Nebenbuhlerinnen durch ihren Glanz in Schatten stellen sollte. ¹)
Bekannt ist das Wort des Fürsten Bismarck in Würdigung seiner eigenen staatsmännischen Tätigkeit, das Schwierigste sei gewesen, Deutschland in den Sattel zu heben, denn reiten habe es von selbst gekonnt. Aehnlich so, aber nicht figürlich, sondern buchstäblich zu nehmen, konnte Themistokles damals von sich sagen, seine Hauptaufgabe sei, die Athener auf die Schiffe zu bringen, das Kämpfen und Siegen werde sich von selbst einstellen. Der grosse Augenblick, den Themistokles schon seit zehn Jahren herbeigewünscht hatte, war erschienen. Um den Staat zu retten, musste man die Schiffe besteigen mit gänzlicher Aufgabe von Stadt und Land. Aber nicht allein, ohne die Eidgenossen, wollte man sich mit den Persern schlagen, sondern im Verein mit den anderen hellenischen Streitkräften. Nachdem bei Artemisium Kraftproben stattgefunden hatten, sollte nach der Berechnung des Themistokles jetzt die Entscheidung kommen. Um den richtigen Kampfplatz zu finden, dazu schien es den übrigen Griechen freilich an Einsicht und Besonnenheit zu fehlen. Der nächsten Einheit, Kap. 56— 64, geben wir die Ueberschrift: „Die Bemühungen des Themistokles, die Flotte bei Salamis zusammenzuhalten.“
Die kommenden Ereignisse stellen an die Um- sicht, Gewandtheit und Tatkraft des Themistokles die höchsten Forderungen. Der Abschnitt ist reich an spannenden und packenden Zügen und bedeut- samen Motiven. Bestürzung, Mangel an Selbst- vertrauen, Selbstsucht, Gehässigkeit, Rede- gewalt, Macht der Persönlichkeit, Ueberraschung, Drohung, Starkmut und Selbstgefühl spielen jetzt
¹) Collignon(Thraemer), Gesch. der Griech. Plastik I, S. 215.


