geheiligten Person des Schers Theoklymenus die Freier bewiesen haben, dass ihr Frevelmut keine Grenzen kennt.
Unmittelbar anschliessend an Kap. 54 lese man jetzt schon die erste Hälfte von Kap. 99, wo der Eindruck der Siegesbotschaft des Xerxes in Susa beschrieben ist. Man vergleiche damit die sogenannten Siegesdepeschen der Franzosen im Jahre 1870, ebenso den verfrühten Sieges- jubel Napoleons am 16. Oktober 1813.¹)— Wohl mag der Grosskönig bei Besichtigung der Akropolis in seiner Ver- blendung wieder einmal gedacht haben: Maior sum, quam cui possit fortuna nocere, aber es sollte bald anders kommen.
Auch Kap. 55 schliessen wir seines sagengeschichtlich wertvollen Inhaltes nicht aus.
Auch hier bietet sich massenhaft Gelegen- heit, die Schüler in beziehungsreicher Gedanken- verknüpfung für die mündliche und schriftliche Darstellung zu üben.
Das Verständnis der Kap. 50— 55 setzt übrigens genauere topographische Kenntnisse über die Unter- und Oberstadt Athens voraus. Die in Untersekunda erworbenen Kenntnisse kommen also hier zur Verwendung. Sie werden wiederholt, ergänzt und dem vorliegenden Bedürfnis in ihrer Erweiterung angepasst. Die Thukydideslektüre in Unterprima und die philosophische Lektüre in Oberprima bringen den Abschluss. ²) Wie es indes gekommen ist, dass wir trotz der gründlichen Zerstörung durch die Perser uns dennoch Kenntnis verschaffen konnten über die auf der Burg vertretene Kunst Athens vor den Perserkriegen, darüber den Schülern Auskunft zu geben ist hier die erste und beste Gelegenheit.„Indem man das Plateau der Akropolis bis zum gewachsenen Felsen durchforschte (in den Jahren 1882— 89) und die Mauern von Schutt und aufgefüllter Erde, die im Zeitalter Cimons zur Planierung des ungleichen Felsbodens der Burg gedient hatten, durchsuchte, kamen wahre Schätze alter Kunst ans Tageslicht. Die unter
¹)„Als der französische Kaiser Wachau in Besitz hatte, das Zentrum der Verbündeten gegen Güldengossa zurückwich und der Reiterangriff des Königs von Neoapel noch grössere Vorteile versprach; als er Liebertwolkwitz wieder erobert, das Korps Lauristons mit zwei Divisionen der jungen Garde verstärkt und ihr fünfzig Kanonen aus der Heeres- reserve zugeteilt; als endlich Macdonald den Colmberg gewonnen und Klenau sich zurückzog, hatte er die Schlacht für gewonnen gehalten und befohlen, in der Stadt Leipzig sowie in der Umgegend zur Feier des Sieges alle Glocken zu läuten; d. h. Deutschland sollte seine eigene Niederlage als Triumph feiern.“ Beitzke, Geschichte der deutschen Freiheitskriege in den Jahren 1813 u. 1814, S. 566.
2) vergl. Forbach, Die Pflege der alten Kunst auf dem Gymnasium Progr. Darmstadt, 1893, S. 12.
K. 99.


