Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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Denn es wohnt ja mit Euch im dunkclen Geuwölb

Der Ehrenhort des Hellenengeschlechts,

«Mit Euch Leonidas, Spartas König,

«Der das leuchtende Forbild männlicher That Und unsterblichen Ruhm uns nachließ.)

Ebenso wissenswert ist die Inschrift, die Simonides dem Denkx- mal gegeben hat, das später dem Leonidas zu Ehren auf dem aus Herod. VII, 215 bekannten Hügel gesetzt worden ist. Das Denlemal trug einen steinernen Löwen. Die vielsagenden Verse lauten(Sim. 110):

O⁷6o EE, zdi 8766, d7, 5, 5 16 vO?

ꝓρʃα●̈ο, tcds räꝓ.4⁴0 ,saς.

«Unter den Tieren bin ich der Gewaltigste, unter den Menschen Er, den ich halte bewacht hier in dem steinernen Grab.?

Zur Erhklärung der Sache selbst braucht der Lehrer nichts weiter hinzuzufüugen. Man hüte sich in so feierlichen Augenblichen vor breiter Behandlung. Ergreifend und nachhaltig ist die Wirkung dieser Verse erfahrungsgemäüß. Die Stimmung ist allmählich geiworden und gewachsen, jetzt erhält sie noch zum Schluß aus dem Munde des Dichters die letzte Weihe und zugleich den würdigsten Ausdruche. Eine heilige, alles Ge- wöhnliche und Gemeine verbannende Aufmerksamkeit beherrscht die Klasse, das Jugendliche Herz fühlt sich unwiderstehlich geziwungen mit- zufühlen und nachzuempfinden.(Vgl. Hom. Od. IX, 27 und 28; 34 36; ebenso XIII, 353, wo der bei Odysseus stattfindende mächtige Ausbruch des Heimatsgefühls eine gleiche Behandlung erheischt. Auch die verschiedenen Erkennungsscenen in der Odyssee gehören hierher.)

Erst wenn das natürliche Gefühl zu seinem Recht gekommen, dann ist es Zeit, den vorliegenden Gegenstand auch von einer anderen Seite zu betrachten. Da kann es sich z. B. um das Epi- gramm als Litteraturgattung handeln. Es hat in den Griechen seine Er- finder und Pfleger gefunden. Das griechische Epigramm ist vor- bildlich geworden für alle Zeiten. Man lasse die wesentlichsten Merkmale vom Schüler selbst finden: Tiefe und Schürfe des Ge- dankens, Leichtigkeit und Geuwandtheit der Form, ergreifende Einfachheit.

Besonders im Hinblick auf letztere Eigenschaft muß auf die anspruchslose Einfachheit und Durchsichtigkeit der griechischen Dichtung überhaupt hingewiesen werden, die aber doch in ihrer Wirkung gewaltig ist. Auch hier bricht für jeden unbefangen Ur- teilenden die Ansicht durch, daß mit Aufwendung von wenig Mitteln Außerordentliches erreicht worden ist.

Auf dem Gebiete des Staats- und Kriegszwesens haben wir diesen Grundzug des griechischen Altertums bereits kennen gelernt(vgl. S. 43). Hier begegnet er uns in der Litteratur der Griechen. Und es wäre auffallend, wenn sich diese Erscheinung nicht auch in ihrer Kunst feststellen ließe. Nun, worin besteht das dem