K. 139.
K. 140
bis 143.
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Kapp. 138 und 145 nehmen wir zusammen. Ihre Bedeutung besteht darin, daß sie uns über die äfrentliche Meinung in Griechen- land, über die Stimmung der Gemüter und die ersten Gegenmaßregeln beim Bekanntwerden der herannahenden Persergefahr Auskunft geben.
Kap. 139 läßt sich betrachten als«ein Urteil des Historikers über wahres Verdienst». Wir lernen den Vater der Geschichte» immer besser kennen und höher schätzen. Wir ehren und achten seine Wahrheitsliebe. Sein Mut, die Wahrheit rückhaltlos zu ver- künden, wenn sie auch nicht gern gehört wird, erfüllt uns zugleich mit Dankbarkeit(dada 2veein S2,,A: T76, 2πο 0εαν˙Ʒοι xiο˙ovOV BEy 167 T).6vG, 2„ G,, 6, d6, Ih e r Teiνεe 1'?A2 2ds. 05 ιι ⁰/()9S8 Denn jedwedem Menschen, der in irgend einer Lage der Wahrheit zum Siege verholfen hat, sind alle Wahrheitsfreunde zu Dank verpflichtet, auch wenn sie in keiner näheren Beziehung zur Sache stehen.
Die Einpflanzung der Wahrheitsliebe in die Herzen der Tugend ist eine der wichtigsten Aufgaben des erziehenden Unterrichts. Der Schüler ꝛwird auch leicht einsehen, daß Wahrheitsliebe die oberste und heiligste Forderung ist, die an den Geschichtschreiber gestellt wird. Denn was nützte es dem Historiker, wenn er über die umfassendste Gelehrsamkeit ebenso verfügte, zwie über den untrüglichsten Schanfsinn, dagegen nicht die sittliche Kraft hätte, der Wahrheit auch da die Ehre zu geben, aVvwoο sie ihm und Gleichgesinnten nicht angenehm ist?
Gegenüber den leidenschaftlichen und gehässigen Anfeindungen, denen Athen zu Beginn des peloponnesischen Krieges ausgesetzt war, ruft Herodot den Griechen zu, sie sollten sich gebührend mäßigen in der Erwägung, daß Hellas die siegreiche Abwendung der Persergefahr nächst den Göttern am meisten der Thatkraft und dem Opfermut der Athener verdanke(Adr„xiοοςα ἀ uς—ε r’paꝓς 1svεαι m◻μ EX4DOc bbn dy dαρiνοοιν ο ινεές). Die von Herodot gebrachte Begründung dieser Ansicht mag der Schüler in einigen kurzen Sätzen zusammenfassen.
Die Kapp. 140— 143 lassen uns eine ganz eigenartige Macht in den Kämpfen der damaligen Zeit erkennen. Es ist das delphische Orakel. Der Schüler bringt gewöhnlich eine ganz unbegrenzte Hoch- achtung vor diesem Institut mit. Sie erleidet hier der Wahrheit zuliebe eine gewaltige Einbuße. Zu seiner UÜberraschung wird der Schüler hören, daß der delphische Sitz der nationalen Erhebung eher hemmend wie fördernd gegenübergetreten ist. Daß sich aber die Athener sogar durch die Schrecken und Bangen erregenden Weissagungen(050 TOniν 23 Xvra r A=X„ zal e Seiga Bahöyta Ereies Szktrsi“ Ti EMAna, noch in Kap. 139) nicht haben beirren lassen, ist das beste Zeugnis für ihren unbeug- samen Sinn.


