Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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die nötige Anknüpfung an Früheres, im Schulleben des Obersekun- daners schon Dagewesenes.

Wie jede zwirklich brauchbare Anlehnung ergiebt sie sich ohne vwieles Suchen von selbst. Wir rufen die geistreiche Ansprache des Cyrus an die griechischen Söldner(Xen. Anab. I, 7) in die Erinnerung des Schülers. Auf die ersten drei Sätze kommt es an. Wir lassen aus ihrem Inhalt einen Schluß ziehen auf des Cyrus Verhältnis zu dem Griechentum und kommen zu dem Ergebnis, daß sich Cyrus der Jüngere hier nicht nur als vortrefflicher Kenner griechischen Wesens erweist, sondern auch als begeisterter Verehrer griechischer Bildung. Nunmehr werden wir einen Vorfahren von ihm kennen lernen, der gerade das Gegenteil darstellt.

Es drängt den Xerxes, sein Gefühl der Unbesiegbarkeit und Unwiderstehlichkeit(obx er,eA,ſoi eiot ee tevthe vat Kap. 101) von Demaratus geteilt und die Berechtigung seiner An- sicht aus dem Munde eines urteilsfähigen Griechen bestätigt zu finden. Da sieht er sich bitter enttäuscht. Nachdem sich der schlaue Grieche über den verfügbaren Spielraum vergewissert und von Xerxes die bestimmte Versicherung bekommen hatte, daß er sich seine Gnade nicht verscherzen werde, vielmehr lege er, der Großkönig, auf ein durchaus freimütiges und wahrheitsgetreues Wort den allergrößten Wert, entwirft Demaratus eine meisterhafte Charak- teristik des Griechentums, gegen welches das aus den folgenden Ent- gegnungen des Großkönigs hervortretende Bild des Barbarentums ebenso grell wie unvorteilhaft absticht.

Die Griechen sind von Haus aus arm.(xsvin G5O&&.) Aber gerade dieser Zustand war kein Unglück für die Geschichte des Volkes. Er stählte die Kräfte, weil er alle Staatsangehörigen zu unermüdlicher Thätigkeit zwang und die Geister beständig auf die Ziele des Erhaltens und Erwerbens hinwies. Der Wille wurde stark und frei, weil er aus der vernünftigen Einsicht heraus sein Thun und Lassen einrichtete und weil für den Fall der Anwandlung einer Schwäche das unerbittliche Gesetz zur Seite stand. So bildete sich im Wesen und Gebahren des Griechenvolkes eine Tüchtigkeit heraus(dsti Erνn ros), die sich nach innen wie nach außen bewährt hat. Diese osrh hat Griechenland in materieller Beziehung zu einem gedeihlichen Aufschwung verholfen, und anderer- seits ist sie es, die den Griechen ein stark entwicheltes Beiwußtsein ihres Wertes und ihrer Eigenart eingeflößt hat.

Auf diesem Selbstgefühl beruht auch jetzt die Entscheidung. Es duldet so lesen wir zwischen den Zeilen; denn vorsichtig muß Demaratus doch sein keine Unterwerfung unter einen König, der über ein von den Griechen verachtetes Sklavenvolk herrscht. Schon die Lakedämonier allein, auch ohne Hülfe der anderen, werden den Persern gegenüber das Kußerste wagen.