K. 54 bis 57.
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der Entlassung in die Heimat gekommen ist. Er macht den letzten Versuch der Umstimmung.
Er weist auf den Mangel an genügend groſen Häfen hin, auf die Unmöglichkeit, die Truppen zu verköstigen(Kap. 49), und auf die Un- zuverlässigkeit der Jonier(Kap. 51).
Eine vernünftige Entgegnung führt Xerxes allerdings ins Feld: roto Toivby SobXOSvOIOI TOtEetv α t iα ριμε fivsο‧ϑια ε τνκμονεασ rot SrNX7Og,SvOL3I Ts aAνα ᷣα⁵α ονη έοοσοοι οο ⁴μα ε“Ot(Kap. 50), etwa gleichbedeutend mit fortes fortuna iuvat» ¹). Aber wie wenig gerade Mut, Beharrlichkeit und Standhaftigkeit des Xerxes Sache war, beweist sein Verhalten nach der Schlacht pei Salamis.
Interessant sind die vor dem UÜbergang über den Hellespont vollzogenen Ceremonien. Bei dem Ubergang selbst ist das Verhalten des Großkönigs auffallend. Erst nachdem der größte Teil seiner Truppen auf europäischer Seite war(nach einer anderen Nachricht sogar zu allerletzt), legt er den Weg über die Brücke zurück. Es liegt darin die auch sonst hervortretende allzu ängstliche Sorge für seine geheiligte Person ausgedrückt. Welcher Gegensatz zu dem frischen Wagemut eines Alexanders des Großen beim Übersetzen über den Hellespont! Als erster von allen springt er in voller Rüstung an das Ufer von Asien mit dem freudigen Ruf: Mein ist Asien, ich nehme es als erobert in Besitz».(Diodor 17, 17.)
Dem Kap. 56 geben wir die Überschrift(die übrigens für jede kleinere oder größere Einheit festgestellt wird):«Eindruck des Heeres auf den gemeinen Mann». Die Angaben der Griechen über die Stärke des persischen Aufgebotes sind ganz sicher übertrieben. Sie werden schon lange in Zweifel gezogen und müssen sich wesent- liche Abstriche gefallen lassen.2²) Daß man es aber unbedingt mit etwas ganz Ungewöhnlichem und Außerordentlichem zu thun hat. beweist der naive Ausruf des von der endlosen Länge der Heeres- säulen geradezu überwältigten Hellespontiers. Der Hauptnachdruck liegt auf«l⁴ν xdvðας ⁴μꝓννμᷣαοωοσσν, Du führst ja die ganze Welt mit dir». Griechenland ist ohne Zweifel nach göttlichem Ratschluß dem Untergang geweiht. Nicht Xerxes ist es, der anrückt, es ist Zeus selbst.
Von Kap. 57 mag der erste Teil genommen werden. Man sieht auch hier, wie der Feldzug im Mittelpunlct alles Denkens und Trachtens steht. Alles wird auf ihn bezogen. Die Deutung
¹) Eine Fundstelle dieses berühmten Satzes bei Plinius dem Jüngeren, Briefe, VI, 16, wo der Ausbruch des Vesuv und der Tod des älteren Plinius geschildert wird. Mit dem Text dieses Briefes(ebenso VI, 20) die Schüler bekannt zu machen, wird im Geschichtsunterricht der IIa ebenfalls Zeit und Gelegenheit sein.
²) Wohl am weitesten geht in dieser Richtung Lotar Weber,«Mehr Licht in der Weltgeschichte?, Danzig, Bertling, 1894.— Uber die wahr- scheinliche Größe des pers. Heeres vgl. Busolt, Griech. Geschichte, II, S. 143.


