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Wie um den Menschen des Lebens Hinfälligkeit und Wertlosigkeit nur noch herber und bitterer empfinden zu lassen, dürfe der Mensch wohl eine Zeit lang des Lebens Süßigkeit in ungemischter Freude genießen, werde aber dann von der Gottheit in eifersüchtiger Wahrung ihrer bevorzugten Stellung um so unvorbereiteter i in jähes Ver derben gestürzt(5 ⁸ ꝓαᷣ 1ν◻οτνν 7252,⸗ Tdy Alvaà„o? Sy aP1c Si- 3SrAt 86„).
Wie schon angedeutet, müssen wir uns hüten, zu glauben, daß hier etwa persische Weltanschauung vorgetragen werde. Wie der Tragilcer in den Chorgesängen seine persönliche religiös sittliche Lebensauffassung kundgiebt, so thut es der Historiker in den einge- streuten Gesprüchen und eingeflochtenen Reden. Artabanus ist nur die Person im Sinne von Maske; der Grieche Herodot selbst spricht durch ihren Mund.
Wir finden nämlich in den Worten des Artabanus ein ziemliches Maß düsterer Resignation, und gerade deren Herrschaft war nach dem Zend-Avesta in der Glaubens- und Sittenlehre der Perser nicht. Gerade die persische Lichtreligion spornt den Menschen zum Kampfe gegen alle bösen Mächte an und macht ihm das Gegenteil von Ergebung zur höchsten Pflicht. Dafür stellt auch das Avesta den Kampf des Guten und Bösen nicht als ewig fort- dauernd hin; es komme vielmehr die Zeit, wo Ahriman und die bösen Geister überwunden und geläutert sich zu dem Dienste des Guten bekehrten, d. h. wo der Mensch und das Leben den Ein- flüssen der bösen Mächte vollständig entzogen seien.«Ahura-Marda hat keinen Widersacher mehr, die Macht des Guten hat gesiegt, und hipfort ist Friede und Seligkeit auf der ganzen Welt herr- schend.» ¹) Wie sollte auf diesem Boden Resignation, ja Verzweiflung erwachsen?
Was beweist nun unsere Stelle, die wir für so wichtig halten, und worin liegt ihre Bedeutung?
Zunächst ist sie die erste Stelle dieser Art, die dem Schüler in der Lektüre der griechischen Autoren begegnet. Sie lenkt unsere Betrachtung von der Oberfläche, die oft täuscht und zu voreiligem Urteil verleitet, ab und giebt Veranlassung, der Betrachtung einer der interessantesten Erscheinungen des griechischen Geisteslebens näherzutreten. Sie bringt den unwiderleglichen Beweis, daß die alten Griechen in ihrem innersten Wesen und Fühlen tief un- glücklich und unbefriedigt sein konnten, mögen sie auch wenigstens in der idealen Auffassung ihrer edelsten Geister die höchste Form der Humanität dargestellt haben, zu welcher sich der Mensch un- abhängig vom Christentum hat erheben können.
) Vgl. Spiegel, a. a. O., S. LXXVI.


