Von ganz hervorragender Bedeutung für die Zuecke des erziehenden 1 Unterrichts ist der Inhalt der Kapp. 44— 46. Hier bietet sich eine iet. treffliche Gelegenheit, einen tieferen Blick in die Seele Herodots werfen zu können, eines Mannes, der als vollgültiger Vertreter alles volkstümlich Griechischen dasteht, im Grunde noch unberührt von der philosophischen Reflexion und ziemlich frei von Rhetorik, da- gegen ausgereift, wie sonst kaum einer, durch Menschenkenntnis und Welterfahrung. Was sein Herz wirklich fühlte und dachte über den Wert des menschlichen Lebens, darüber ergeben sich aus dieser Stelle höchst lehrreiche und beherzigenswerte Aufklärungen. Sie werden auf das religiös-sittliche Empfinden aller Ernstdenkenden unzweifelhaft die vorteilhafteste Wirkung ausüben.
Entwerfen wir zunächst in wenigen Strichen ein Bild von der Lage.
Der Großkönig war mit seinen Heeresmassen in Abydus an-— gelangt. Der schon lange gehegte Wunsch, Heer und Flotte im ganzen Umfang einmal vor sich zu sehen, sollte hier erfüllt werden. Infolge einer genau eingehaltenen Marschordnung, der er sich aus Gründen der eigenen Sicherheit unterzog, waren ihm bis jetzt nur ganz bestimmte einzelne Teile des Landheeres zu Gesicht gekommen. Mit der Flotte traf er überhaupt erst hier zusammen. Auf der Küstenstrecke von Abydus sollte das Landheer, auf den dunkel- grünen Fluten des Hellespontus die Flotte Aufstellung nehmen. Ein verhältnismäßig weit ins Meer ragendes Vorgebirge, von einem spitzen, wie durch Menschenhand gebildeten Hügel gekrönt, war vortrefflich geeignet, den Beschauer sowohl die Vorgänge zur See, wie zu Lande gleichmäßig beobachten zu lassen.
Hier erscheint der Großkönig mit großem Gefolge. Er sitzt während des Schauspiels auf einem weißmarmornen Thronsessel, den Kunsthandwerker aus Abydus ihm hatten herstellen müssen. (xpoοεr²εοτ ri 1oX, Smirhdsꝓ btc eben sesen io Xeb7O5: roi*αν Abroi SvrstkAap,vod erSpo? SaAbSo«.) Schon daraus sieht man also, daß die Heerschau nicht die Folge eines urplötzlich auftauchenden launenhaften Wunsches war, sondern vielmehr die Verwirklichung eines schon längst in Aussicht ge-— nommenen Planes.
Das Auge des Großkönigs weidet sich an dem großartigen Schauspiel. Da kann er den Wunsch nicht unterdrücken, seine prachtvolle Flotte im Scheinkampf manövrieren zu sehen. Die Befehle ergehen, und in kürzester Zeit hat sich ein Kampf ent- rponnen, der des Xerxes ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt
Das gehorb zu den Etourderien, die jedem begegnen können, und in die namentlich ein lebhafter Geist wie Herodot leicht hereinkommen kann, indem man etwas Richtiges im Sinne hat, dies aber so ausdrückt, daß eine Absurdität herauskommt.) So Niebuhr, a. a. O., S. 387.


