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Ganz uneigennützig war des Pythius gastfreies Auftreten freilich nicht. Die Hoffnung, seinen Lieblingssohn militärfrei machen zu können, öffnete ihm Hand und Haus. Die ihm eigene Gefühls- roheit bekundet Xerxes noch besonders dadurch, daß er unnötiger- weise die ganze Offentlichkeit zum Zeugen seiner unerbörten Grau- samkeit macht(VII, 39). Wem fallen da nicht Uhlands Worte (Des Sängers Fluch) ein:
«Was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut, «Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut?⸗
Daß unter einem solchen Regiment Unterthanenliebe nicht aufkommen konnte, versteht sich von selbst.
In Kap. 33— 35 erleidet Xerxes den ersten Schaden durch die Gewalt der Elemente. Maßlose Wut, grausamste Bestrafung der un- schuldigen Ingenieure, kindische Lästerung des Meeres sind die sofortigen Folgen der dem Großkönig hinterbrachten Nachricht. Herodot spricht daher von Siνaᷣᷣ ds at radake. Es ist kein Zweifel mehr: Xerxes ist der öpte ganz und gar verfallen. Selbst die Ele- mente sollen sein Sklavenjoch tragen; die Zerstörung der Brücken sieht er als frevelhafte Verletzung seiner großherrlichen Macht und Hoheit an.
«Maior sum, quam eui possit fortuna nocere» vermaß sich Niobe (Ov. Metam. VI, 195) auf dem Gipfelpunkt ihrer Verblendung und Hoffart auszurufen. Diese Worte passen auch hierher; mit Rück- sicht auf den speziellen Fall möchte man für fortuna» nur «natura? setzen. Wir sehen die ganze Häßlichkeit eines selbstsüchtigen Charakters, der nicht einmal materielle, geschweige denn sittliche Schranken fr sein Begehren kennt.
Eine Steigerung erhält die öois des Xerxes später nur noch da— durch, daß er sich selbst am toten Gegner vergreift(VII, 238) und durch Einäscherung der Gotteshäuser die Scheu vor den Himmlischen verletzt.
Die Beschreibung der Anordnung des Zuges(Kap. 40 und 41) entrollt ein Bild von kriegerischer Macht, glanzvollem Prunk und beinahe göttlicher Verehrung des Königs, der immer und überall. der Gegenstand vornehmster Sorge ist.
Der Besuch Iliums(Kap. 43) beweist, in wie hohen Ehren der denkwürdige Ort auch bei den Persern stand.(Vergl. den Besuch Alecanders des Großen daselbst; ebenso den angeblichen Plan Caesars, Ilium zur Residenz des römischen Reiches zu machen.)
Nicht außer acht zu lassen ist auch die andere Warnung, die dem Großkönig von der Natur selbst zu teil wird. Der Fluß Skamander ist in dieser Jahreszeit wasserarm.¹) Mannschaft und Vieh leiden unter Wassermangel.
¹) Wörtlich ist die Stelle nämlich nicht zu nehmen. Das Austrinken der Flüsse durch das persische Heer war eine vollkommene Unmöglichkeit.


