Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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Ferner:

«Mit meiner Hoffnung spielt ein tückisch Wesen, Und nimmer stillt sich seines Neides HMuso.

Im Wallenstein:

«Der Neid des Schicksals ist gesättigt».

Ebenso:

«Denn eifersüchtig sind des Schicksals Mächte».

Von Neid im gewöhnlichen Sinne, also von Mißvergnügen über fremdes Glück, das man nicht selbst besitzt, kann jedenfalls keine Rede sein. Denn hier fehlt ja ganz das mit dem Begriff des Neides untrennbar verbundene Verlangen, selbst im Besitze solchen Glückes zu sein. Die UÜbersetzung mit«Eifersucht» kommt der Sache schon näher. Jedenfalls richte man die Wiedergabe des Wortes dουνοε nach der außergewöhnlichen, mehr dem Edlen sich zuneigenden Bedeutung, die Meuß ¹) giebt. Nach Vergleichung aller diesbezüg- lichen Stellen bei Herodot und unter Berücksichtigung aller sonstigen einschlägigen Faktoren kommt Meuß zu folgender Begriffsbestimmung: «Der d'voς der herodolischen Gottheit ist die besondere Form göttlicher Strafgerechtigkeit dem frevelhaften Ferkennen menschlicher Glücks- beschränktheit gegenüber». Es handelt sich also hier um weiter nichts, als um eine dem griechischen Geiste eigentümliche Anschauung, die einen unerreichten Vorzug der Griechen ausmacht. Danach herrscht im inneren und äußeren Leben überall das strenge Maß. Der Übermut im Thun und Handeln einzelner Menschen und ganzer Völker wird bestraft. Jeder, der sich nicht selbst mäßigt, wird in die Schranken der Ordnung mit vernichtender Gewalt zurückgedrängt.

Jedoch herrscht über das Wesen des Begriffes, den Herodot mit dυνοσ ε verbindet, bis jetzt noch keine UÜbereinstimmung. Zu einem ganz anderen Ergebnis kommt beispielsweise Lehrs ²). Er glaubt nicht, daß der Ausdruck Neid im Deutschen etwas der griechischen Vorstellung Widersprechendes enthält. Dazwischen giebt es Auffassungen in jeder Abstufung.

Kap. 11 zeigt uns die Wirkung der Belehrungen und Warnungen des Oheims auf seinen Neffen. Er verträgt keinen Widerspruch, trotzdem er zur Meinungsäußerung selbst aufgefordert hat. Viel- leicht gerade die Stichhaltigkeit der Gründe und die Berechtigung der entgegengehaltenen Bedenken läßt den Xerxes aufbrausen. Nur die nahe Verwandtschaft rettet den Artabanus vor augen- blicklicher empfindlicher Strafe.

¹)«Der sogenannte Neid der Götter bei Herodot», Progr., Liegnitz, 1888, S. 19.

²) Populäre Aufsätze aus dem Altertum, vorzugsweise zur Ethik und Religion der Griechen. Leipzig, Teubner, 1875, S. 33 fl.

K. 11.