Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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o?tHν ONobstyy ruft die Erinnerung wach an eine denkwürdige Stelle in der großen Rede des Xenophon(An. III, 2, 10), wo es heißt: «iXAvο ²lot(sc. ol Sεοi) ο⁴* od. dAXoOS ra*b Eog otsty zA rODc Pt2Oc, Av, stvots t, G6CsE, sösrO«, öra, SbNXGvA». Das christliche Gemüt aber muß da unwillkürlich an die biblischen Worte denken: Wer sich selbst erhöhet, wird erniedriget werden, und wer sich erniedriget, wird erhöhet werden. Matth. 23, 12.¹) Und wenn parallel mit der Behandlung der Feldzüge Napo- leons I. im deutschen Unterricht der Obertertia Beziehung genommen worden ist zu den geharnischten Sonetten Rückerts, dann kennen die Schüler vielleicht auch das Sonett 23, das auf Xerxes so gut paßt, wie auf Napoleon:

Je höhr ein Haupt, je meinen Blitzen näher,

Ich will aus meinen Wolken so sie schleudern,

Daß Fällt, was soll, und ihr sollt Friede haben.?

(Vgl.( drsε νονυαα Q Q ννα( 6 S.)

Die Kraft und Wahrheit der Uberzeugung, die zundchst den sitt- lichen Wert jeder Meinungsäußerung bestimmt, ist bei Artabanus so gewaltig, daß er ohne Bedenken sein und seiner Kinder Leben zum Pfand giebt. Er will es gern opfern, wenn er nicht Recht bekommen sollte.

Und weil Artabanus das Unglück für unausbleiblich hält, es dem Mardonius und damit auch dem Xerxes voraussagt und in grellen Farben ausmalt, so wird man zugeben müssen, daß die richtige Würdigung dieser Rede der Schlüssel zum tieferen Verständnis der kommenden Ereignisse nach ihrer sittlichen Seite hin ist.

Losgelöst von ihren örtlichen, zeitlichen und persönlichen Be- ziehungen lassen sich die teils ausführlich entwickelten, teils nur angedeuteten Hauptgedanken etwa in folgende Fassung bringen: 1. Nur der Widerstreit der Meinungen führt zur Wahrheit, nur die Wirkung des Gegensatzes zur Klarheit des Bewußtseins. NVer- wandter Gedanke bei Cic. de imp. Cn. Pomp. 36: summa omnia sunt(in Cn. Pompeio), sed ea magis ex aliorum contentione quam ipsa per sese cognosci atque intellegi possunt.) 2. Man soll die Lehren der Geschichte nie außer acht lassen. Denn man kann aus der Vergangenheit die Gegenwart und Zukunft erschließen. (Vgl. Liv. prooemium 10: hoc illud est praecipue in cognitione

¹) Jedoch darf man hier nicht zu weit gehen. Es handelt sich bei den Alten doch nur um den Begriff der ωρκοοονm, temperantia, Maßhaltung, nicht um den der freiwilligen Selbsterniedrigung, der Demut im christlichen Sinne. Denn gewisse Tugenden, wie eben die Demut, desgleichen die Nächstenliebe(oder gar Feindesliebe, vgl. Xen. Anab. I, 9, 11) und Versöhn- lichkeit, waren im Gegensatz zur christlichen Auffassung keine awesentlichen Bestandteile und Bedingungen menschlicher Größe im antiken Sinne des Wortes. (Wieder ein Berührungspunkt mit dem Religionsunterricht, der den an- gefangenen Faden weiterspinnen soll.)