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ganze Geschichtsauffassung Herodots dreht. Es ist deswegen vor allem notwendig, einen tiefen Einblick in den Seelenzustand des Königs zu thun, um die Macht der öts über sein Thun und Lassen kennen zu lernen. Der Abschnitt von Kap. 8— 11 zeigt dazu den besten Weg.
An bedeutsamen Abschnitten in der Entwicklung der Hand- lung schiebt Herodot, wie schon oben S. 24 bemerkt, mit Vor- liebe Reden ein. Sie sind nach Form und Inhalt Glanzpunkte seiner Darstellung. Wohl alle frei erfunden, stets mit besonderer Färbung, je nach Stellung des Redenden, verfolgen sie ähnliche Zwecke, wie die Monologe im Drama. Die Erscheinung selbst ist nichts Neues.(Hinweis auf Homer, Xenophon, Livius; Vorbereitung auf Thukydides und Tacitus.) Dem objektiven, streng sachlichen Be- richt des Erzählers treten die eingeschalteten Reden erläuternd, vertiefend, belebend zur Seite. Was der Schriftsteller selber nicht zu sagen Lust hat, weil er aus seiner Rolle nicht fallen will, legt er den redenden Personen in den Mund.
Auch die Kennzeichnung der einzelnen Persönlichkeiten wird dadurch wesentlich erleichtert. Wir bekommen einen Einblich in das Seelenleben der Helden, lernen ihre Stimmungen, Empfindungen, die Motive ihrer Handlungen, ihre starken und schwachen Seiten kennen. Die Charakterbilder, die ohne dieses Kunstmittel vielfach undeutlich und verschwommen wären, treten uns in klarster und feinster Ausprägung, Licht und Schatten wohlthuend verteilt, entgegen.
UÜber die Herkunft seiner Reden macht Herodot nirgends auch nur eine leise Andeutung im Gegensatz zu Thukydides(I, 22), der den realen Wert seiner eingeflochtenen Reden betont. Allgemein hält man die Reden bei Herodot für erdichtet. Daß sie aber alle entstanden seien ohne irgendwelche Anlehnung an eine münd- liche oder schriftliche Uberlieferung, die dem Herodot zu Athen oder auf seinen Reisen zu Ohren gekommen sein kann, ist durch- aus unwahrscheinlich.
Unbegründet ist ferner der Vorwurf, daß alle Reden nur seine (des Herodot) Natur zeigen, einander alle gleich sehen und ohne unterscheidende Charakteristik sind».¹) Ein beuwußztes Streben, durch Färbung und Ton zu charakterisieren, ist vielmehr unverkennbar.²) So werden uns in VII, 8— 11 drei sich voneinander scharf abhebende Individualitäten vorgeführt. ³)
¹) So BPoeckh, a. a. O., S. 55.
²) Vgl. Hammerling, Welcher Mittel bedient sich Homer zur Darstellung seiner Charaktere? Programm, Neuß, 1857, S. 14. Vgl. auch Kaibel, Stil und Text der IIoxitsia Adenyaioν des Aristoteles, Berlin, Weidmann, 1893, S. 66 f.
³) Daß Herodot, wie Schnorr von Carolsfeld Uber die Reden und Briefe bei Sallusty, Leipzig, Teubner, 1888, S. 76, meint, in VII, 8 den Ton eines Perserkönigs doch nicht ganz getroffen habe, wie ein Vergleich mit der großen Inschrift von Behistan beweise, in der Darius von seinen Thaten
spricht(vgl. Spiegel, Die altpersischen Keilinschriften), entkräftet unsere Auffassung ebenfalls nicht.


