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Das reifere Urteil wird darum den Karthagern seine Sympathie kaum schenken können, mag auch der von einer Persönlichkeit wie Hannibal ausgehende Reiz noch so stark anziehen. Die Jugend aber, die mit rückhaltloser, aber oft unklarer Begeisterung stets die schwächere und vermeintlich bedrückte Seite verteidigt, nimmt vielfach Partei für die Karthager. Ja viele kommen in einen merkwürdigen Zwiespalt und teilen ihr Mitgefühl zwischen den beiden Gegnern.
Für die Perserleriege dagegen ist jede Unklarheit, jedes Schwanken vollständig ausgeschlossen. Nicht nur aus wohlbedachten Gründen, über deren sittliche Berechtigung wir uns Rechenschaft geben können, sondern schon auf Weisung unseres natürlichen Gefühles für Recht und Billigkeit treten wir entschieden auf die Seite der Griechen, folgen mit Begeisterung ihren heldenmütigen Anstrengungen und freuen uns herzlich ihrer Er- JFolge.(Yergl. unsere Sympathie für die Buren gegen England.)
Wir beginnen im siebenten Buch mit Kapitel 5. Was da- zwischen liegt, teilen wir den Schülern kurz mit. Die wichtigste Persönlichkeit auf persischer Seite ist der Großkönig selbst. Nach seinem ganzen Auftreten zu Hause und im Kriege bietet er ein ungemein interessantes Charakterbild. Dieses Bild wird natürlich nicht als ein fertiges Ganze den Schülern bereits jetzt vorgezeigt, sondern es wird in gemeinsamer Arbeit des Lehrers mit den Schülern angefangen und im Verlauf der Lektüre Strich für Strich ausgemalt. Die Jugend sammelt lieber, als daß sie fertige Reihen hinnimml.
Unter den äußeren Kräften, die den Xerxes zum Kriege treiben, steht zunächst die Beeinflussung durch den zähen Willen eines Weibes oben an. Atossa herrscht seit dem Tode des Darius mehr denn je. Die geheimen Triebfedern ihrer Politik haben wir III, 134 kennen gelernt(vgl. S. 12). Hier treten noch hinzu(Kap. 5 und 6) VII, 5 die Vorspiegelungen eines Günstlings(Mardonius, Haupt der Kriegs- partei), die Aufreizungen auswürtiger Interessenten, nämlich politischer Flüchtlinge(Pisistratiden und Aleuaden), und Seherbetrug. Onomalritus, ein Werkzeug der Pisistratiden, entblödet sich nicht, seinen Ruf zu schänden und sein heiliges Amt zu entweihen. Er mißbraucht das ihm von Xerxes geschenkte Vertrauen zu schnöder Täuschung (Beispiel von Mißbrauch und Ausartung geistlicher Macht, wenn sie der willkürlichen Verfügung eines mächtigen Fürsten anheim- gestellt ist).
Ungleich wichtiger sind die inneren Beweggründe. Unter ihnen spielt nach der Ansicht Herodots die 56pts eine Hauptrolle. Sie wird als geradezu verkörpert in der Person des Königs dargestellt. Daß ein im Dienste der dß9s stehender Herrscher durch das Walten der sittlichen Weltordnung, die mit dem Strafgericht nicht ausbleibt, unbedingt zu Fall kommen muß, ist die sittliche Idee, um die sich die


