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und der am Wundfieber kranke Held, an Leib und Seele gebrochen, auf einer Bahre sprachlos daliegend, ebenfalls ein Erlöser seines Vaterlandes und zwar in noch höherem Sinne— beide vor dem Volksgericht.
Bei Herodot wird der Vorgang verhältnismäßig kurz abgethan. Die Sprache ist so schlicht, einfach und naiv wie sonst auch. Die Erzühlung scheint ihm von der Muse in den Griffel diktiert zu sein. Keinen Finger breit weicht er aus dem Rahmen der ob- Jektiven Berichterstattung. Alles ist wie von selbst geworden, ohne jede subjektive Zuthat.
Bei Liwius dagegen wird uns eine äußerst lebhafte Schilderung in den wärmsten Farben geboten. Der dramatische Stof erlangt auch in der Darstellung eine drastische, ans Theatralische streifende Ge- staltung und Gliederung von unwiderstehlicher Wirhung. Alles ist be— wußte Kunst. Wie klar und gefällig die Abstufung der Handlung, wie verechnend und einnehmend der rhetorische Aufputz der Sprache und das Pathos des ganzen Tones, wie meisterhaft die Zerlegung der seelischen Afelcte/ Kurz, hier haben wir den bewußten Künstler, dort das naive Genie.(Vgl. Homer und Vergil, Volksepos und Kunstepos, ebenso Volkslied und volkstümliches Lied.).
Ein Glück für Athens Zukunft war der Sturz des Miltiades gewiß nicht. Die Entwickelung des Staates in der alleinrichtigen Bahn wurde aufgehalten.
Miltiades war den Führern der konservativen Partei, dem Ari- sticees und Xanthippus, ein Dorn im Auge. Sie wollten, daß nach wie vor der politische Schwerpunkt im Sinne der Solonischen Ver-— fassung in dem Grundeigentum liege. Miltiades verfolgte entgegen- gesetzte Ideen. Die seither übliche Anschauung hielt er für ver- altet und unzureichend. Er lenkte den Blich des athenischen Volkes hinaus auf das einladende Meer als auf den gewiesenen Weg zur Macht- erweiterung. Insofern war er der VForgänger des Themistoles, der uns später beschäftigen wird.
Die weltgeschichtliche Bedeutung des Sieges von Marathon aber, auf deren klare Erfassung durch den Schüler es vor allem ankommt, wollen wir mit den Worten Vischers¹) geben:«Die That der Athener und des Miltiades bleibt gleich groß. Daß sie, die Bewohner eines Ländchens von wenigen Quadratmeilen, den seit siebzig Jahren in Feldschlachten unbesiegten und von Indien bis an die Grenzen Griechenlands als Herren anerkannten Persern unverzagt entgegen- traten und sich vertrauensvoll ihrem Feldherrn unterordneten, ist das Hauptverdienst der Athener; daß er gegenüber der feindlichen UÜbermacht es nicht auf eine Belagerung in der Stadt ankommen
¹) W. Fischer, Erinnerungen und Eindrücke aus Griechenland, Basel, 1875.


