Aufsatz 
Materialien zur Herodotlektüre mit Rücksicht auf verwandte Gebiete und im Sinne des erziehenden Unterrichts : 1. Teil
Entstehung
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III, 134.

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erinnern seine Gedanken und Ausdrücke gar oft an die Schriften des Alten Testaments. ¹)

Nichstdestoweniger dürfen wir andererseits den Schülern nicht verschweigen, daß Herodot auch manches Unrichtige und Halbver- standene berichtet. Er war eben im Orient von dem guten Willen und der Ehrlichkeit seiner Gewährsmänner abhängig. ²)

Wir nehmen unseren Weg geradeaus in der Richtung auf den jonischen Aufstand und die Hülfeleistung durch die Athener, die hauptsächliche äußere Veranlassung zur persischen Invasion.

Was wir unterwegs als brauchbare Wegweiser mit belehrender Auf- schrift finden, beachten wir gern. Da treffen wir in III, 134 Darius im Gespräch mit seiner Gattin Atossa, das für unsere Zwecke sehr lehrreich ist. Mit beredten Worten weiß Atossa den Lhrgeiz des Darius zu wecken, den Ehrgeiz, der in der Geschichte der Völker wie der einzelnen Menschen eine bald segensreiche, bald verderbliche Rolle spielt, je nachdem er, wie sich der Schüler aus Schillers Wallenstein merken soll, als behagliches Flämmchen erwärmt oder als verzehrendes Feuer vernichtet.(Sein Ehrgeiz war ein wild er- wärmend Feuer, Noch nicht die Flamme, die verzehrend rast», sagt die Herzogin in Wallensteins Tod III, 3.) Als das letztere erscheint er aber hier. Der Inhalt der kurzen Kundgebung setzt sich aus folgenden Gedanken zusammen: 1) Im Besitze gewaltiger Macht- mittel ist es unwürdig, keine Eroberungspolitik zu treiben. 2) Darius verliert an Ansehen als Mann und Staatsoberhaupt bei fernerem Müßigbleiben. 3) Den Unterthanen ist der Krieg heilsam, sonst denken sie an Empörung(a rpißcvrat oXbe, ne oK rovrsc 810bX,S6, Tor). Wir haben also hier ein Beispiel für das in der Geschichte der Staaten oft angewendete Auskunftsmittel, die Geister von der Unzufriedenheit mit den inneren FTerhältnissen durch Kriege nach außen abzulenken(vergl. die Kriege Franlereichs im zweiten Kaiserreich).

Die Wirkung dieses Zuredens auf Darius ist sein Bekenntnis, einen Feldzug gegen die Scythen beschlossen zu haben. Atossa empfiehlt dagegen mit großer Entschiedenheit einen solchen gegen die Griechen. Y5 d6 Hot xi i EMAADaA tarsbεονεσααι, Thue mir den Gefallen und richte die Waffen gegen Griechenland. Als Begründung fügt sie bei, sie habe schon so viel von attischen, korinthischen, argivischen und lacedämonischen Frauen gehört, daß sie dem Ver- langen nicht widerstehen könne, solche unter ihren Dienerinnen zu haben.

Als geheimste Triebfeder zum Angriffskrieg wirkt also bei Atossa der Ehrgeiz und die Eitelkeit.(Man vergleiche hiermit zur gegenseitigen Würdigung den Anteil der Kaiserin Eugenie an der

¹) Vgl. Otfr. Müller, Gesch. d. gr. Litt. II, S. 491. ²) Vgl. A. Wiedemann, a. a. O., S. 32.