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und weisen darauf hin, daß in diesen Worten eine glänzende An- erkennung liegt für die Berechtigung einer bestimmten Absicht, der Herodot an hervorragender Stelle seines Werkes Ausdruck ver- leiht. Wir meinen den einleitenden Gedanken, mit dem er sein Vorhaben kundgiebt, Geschichte zu schreiben, und sein Werk der Offentlichkeit gewissermaßen empfiehlt. Die ruhmvollen und denk- wiürdigen Thaten der Griechen in ihrem Freiheitskampf gegen die Barbaren sollen vor Vergessenheit beuahrt werden und sich eines euuigen, ruhm- vollen Andenkens enfreuen.
Der liebenswürdige Erzühler des Altertums und der epische Dichter der Neuzeit reichen sich hier die Hände. Was der eine wünscht und erstrebt, billigt und bestätigt der andere. Der Ab- stand der Zeit steht der guten Wirkung dieses Verhältnisses nicht störend im Weg, im Gegenteil, er gewährt ihm einen noch höheren Reiz. Die Gleichartigkeit der Empfindung, die einen Berührungspunkt zweier verschiedener Schriftsteller, beziehungsweise Unterrichts- gegenstände bildet, wahrnehmen und feststellen zu können, wird der Schüler gern bereit sein. Deswegen soll ihm auch die Kennt- nisnahme dieser Stelle bei Herodot nicht vorenthalten werden. IpPo06 ob AXX2ενꝝνι⁷ i5roi ste 70*, 0⁵ units rà Tevöpeya 1. 1. 88 νν ρναμ d Tb6-„⁵ Leira Jéyhrat, Biits Egſa gsläa ts ai donorä, 10 H. E: 13 B0A010: 2ο⁹ε ◻/εναα, dX Téwhrat, râ re Aa kal t„y Atri-² SrONSav aMnotat.
Gar mancher von den Schülern, mögen sie nun in der lateinischen Stunde gerade mit der Lektüre der berühmten prae- fatio des Livius beschäftigt sein oder sie vielleicht schon früher kennen gelernt haben, wird unwillkürlich Vergleiche zwischen Herodot und Livius anstellen.
Schon äußerlich macht sich ein großer Unterschied bemerkbar. Die Einleitung des Livius ist nicht so kurz und knapp gehalten, wie diejenige des Herodot. Inhaltlich sind beide erst recht ver- schieden. Das Vorwort des Livius ist äußerst wertvoll durch die Fülle der Gedanken, die so mannigfaltig und beziehungsreich sind, daß uns schon aus der Einleitung ein klar und fest umschriebenes Bild des Livius in seiner Eigenschaft als Geschichtschreiber und Patriot entgegentritt. Selbst seine politische Stellung gewahren wir, wenn auch noch in verschleiertem Gewande.
Bei Herodot suchen wir soviel vergebens. Er nennt mehr titel- mäßig sein Thema und führt kurz die Beweggründe an, die ihn zu seinem Unternehmen bestimmt haben. Das ist aber auch alles, was beiden Einleitungen gemeinsam ist.
Die Motive sind für beide Schriftsteller im allgemeinen gleich. Sie bestehen in dem lebhaften Verlangen, zur Erhaltung der Kennt- nis der vaterländischen Geschichte nach Kräften beizutragen. Denn auch bei Herodot steht trotz seiner universalgeschichtlichen Be-


