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ein geꝛwissermaßen persönliches Interesse, unsere eigene Sache, die Sache der Freiheit, ist damals ausgefochten worden.» ¹)
Daher ist Beschränkung auf den Hauptgegenstand der herodo- tischen Geschichtschreibung, die Perserkriege, unerläßliche Forderung. Wir würden uns mit der in Fachkreisen herrschenden und auch ganz richtigen Anschauung in Widerspruch setzen, wollten wir bei unserer Auswahl nicht diesen Gedanken zu Grunde legen.
Indes wäre es zu bedauern, wenn dem Schüler alles andere vollständig verschlossen bliebe. Um ihm bis zu einem gewissen und zwar ganz ansehnlichen Maß dennoch einen Einblick in die anderen Gebiete zu verschaffen, haben wir folgende Einrichtung getroffen. Wir wählen nämlich überwiegend gerade aus den die Perserkriege nicht speziell betreffenden Büchern die für die schrift- lichen Klassenarbeiten bestimmten Texte. Aber auch hier findet nur das in irgend einer Beziehung Bedeutsame und Charakteristische Berücksichtigung. Dabei sehen wir ferner darauf, daß die Schüler als Teil der Aufgabe für den nächsten Tag, wo die Arbeit vom Lehrer korrigiert zurückgegeben wird, eine den Kern der Sache womöglich nach der sittlichen Seite hin treffende Uberschrift finden.
Wir halten deswegen auch dafür, daß der ganze Herodot, nicht etwa nur eine Ausgabe, die eine Auswahl enthält, in den Händen der Schüler sei. Die Engel im Himmel freuen sich, wie es heibt, über einen Sünder, der Buße thut, mehr, als über neunundneunzig Gerechte. Wenn auch nur ein Schüler der Klasse mehr lesen will, als was in der Auswahl steht, ist die Verurteilung der Aus- wahl-Ausgaben gerechtfertigt. ²)
Die in den modernen Schulausgaben über dem Text und am Rand fein und säuberlich beigedruckten Einteilungen, Gliederungen, Uberschriften u. s. w. sind kein Segen. Denn diese sollen nicht als fertiges Ergebnis den Schülern geboten, sondern in gemeinsamer Thütigkeit von den Schülern unter Anleitung des Lehrers erarbeitet werden.
Aus dem praktischen Unterricht heraus sind die vorliegenden Materialien erwachsen. Mit der sprachlichen Seite im engeren Sinne befassen sie sich nicht. Die hierfür vorhandene Litteratur reicht für das Bedürfnis des Lehrers und der Schule vollständig aus. Selbstverständlich ist genaueste grammatische Eregese unumgängliche Foraussetzung, wenn einer gegebenen sprachlichen Form der Inhalt richtig entnommen werden soll.
Wir geben mithin die inhaltliche Erklärung der kleineren metho- dischen Einheiten, in die sich die gelesenen Abschnitte des herodo- tischen Werkes gliedern lassen.
¹) Oskar Jäger, a. a. O., S. 419; dazu vgl. desselben Verfassers Be- merkungen über den geschichtl. Unterrichty, Wiesbaden 1892, S. 14 ff.
²) Vgl. die sehr beherzigenswerten Ausführungen von Maæ Siebourg, «Moderne Schulausgaben», Neue Jahrbücher f. Pädag., 1899, IV. Band, S. 501.


