XXVII.
und geht selbst einer anderen als Ursache vorher; hier giebts kein erstes und kein letztes Glied, so wenig als es einen ersten und letzten Zeitpunkt giebt. Und doch giebt es etwas unabhängig von aller Erfahrung, das weder deren Bedingung ist, wie Raum, Zeit, Kausalität, noch jemals deren Objekt sein kann, wie die Erscheinungen. Dieses Etwas ist das Ding an sich: die Idee. Also es giebt eine Grenze der Erfahrung, die doch selbst grenzenlos ist. Und jetzt entsteht der Schein, als ob die Erfahrung und mit ihr die Erscheinungswelt nicht grenzenlos, sondern in Raum und Leit begrenzt wäre, als ob die Erfahrungsgrenze selbst im Gebiete der Erfahrung liegen und teilnehmen könnte an den Erscheinungen: es ensteht der Schein, als ob das Ding an sich das oberste Glied in der Kette der Erscheinungen wäre und als ob dieses Glied selbst eine Erscheinung, also ein Objekt ausmachte“.(K. Fischer l. c. 432.)
„Dieser Schein ist unvermeidlich, so trügerisch er ist. Die Kritik der Vernunft kann ihn erklären, aber die menschliche Vernunft kann ihn nicht los werden“.(I. c. 433.)
„Die Metaphysiker lassen sich täuschen von dem transscendentalen Schein, von dem sich der kritische Philosoph nicht täuschen lässt: sie meinen das Ding an sich greifen zu können, wie die Kinder den Himmel“(l. c. 435). Alle Metaphysik gründet sich auf einen Schluss von dem bedingten Dasein auf das Unbedingte. Allein dieser dialektische Vernunftschluss der Metaphysik ist ein Trugschluss, eine Sophistikation der reinen Vernunft, denn er enthält eine quaternio terminorum.
Kant sagt darüber:„Also wird es Vernunftschlüsse geben, die keine empirische Prämissen enthalten und vermittelst deren wir von etwas, das wir kennen, auf etwas anderes schliessen, wovon wir keinen Begriff haben und dem wir gleichwohl, durch einen unvermeidlichen Schein, objektive Realität geben“(. c. p. 339). K. Fischer erläutert dies näher also:„In welchem Verstande schliesst die Metaphysik? Sie nimmt das bedingte Dasein als blossen Begriff, ohne Erscheinung und Ding an sich zu unterscheiden. Sie nimmt den Begriff des Bedingten unabhängig von unserer Vorstellung, bezieht denselben nicht blos auf Erscheinungen, sondern auf Dinge überhaupt. Und jetzt lautet ihr Schluss so: wenn das Bedingte(als Ding an sich) gegeben ist, so ist auch das Unbedingte gegeben. Nun ist das Bedingte(als blosse Erscheinung) gegeben, also ist das Unbedingte gegeben“.
„Hier liegt der Trugschluss, auf dem alle Metaphysik beruht, offen vor Jedermanns Augen. Der Begriff des Bedingten bildet den Mittelbegriff des Schlusses und gilt in zwei grundverschiedenen Bedeutungen: im Obersatz bedeutet er das Ding überhaupt, im Untersatz kann er nur die Er- scheinung bedeuten, und jetzt ist gar kein Schluss mehr denkbar, da der Schluss nur möglich ist, wenn der Mittelbegriff in beiden Prämissen genau dasselbe bedeutet“(l. c. 436,37).
Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein, die Kant'sche Erkenntnistheorie im Einzelnen zu widerlegen, also eine Kritik der„Kritik der reinen Vernunft“ zu entwickeln— wir müssten dann eine vollständige Reproduktion der aristotelisch-scholastischen Noetik und Logik geben. Nur Folgendes sei hervorgehoben.
IV. Erscheinung und Ding an sich. Der richtige dialektische Vernunftschluss.
Die Grundlage aller Kant'schen Angriffe auf die Metaphysik resp. Ontolgie bildet, wie die: letzten Citate beweisen, die durch die kritische Vernunft mühsam und künstlich gemachte Unter- scheidung zwischen Erscheinung und Ding an sich. Kuno Fischer betont dies mit folgenden Worten(l. c. pg. 437): die verschiedenen Bedeutungen des Mittelbegriffs in diesem Falle(nämlich beim dialektischen Vernunftschluss) sind Ding überhaupt oder Ding an sich und Erscheinung, also


