2. Die Einzeldinge seien nicht Teile des Ganzen, nicht Individuen, Substanzen, sie hätten gar kein eigenes Sein, sondern seien nur die ewig wechselnden Erscheinungsformen des göttlichen All'’s.
Das ewige unendliche Sein ist absolut unveränderlich und kann deshalb keine unaufhörlich wechselnden Erscheinungsformen seiner selbst entwickeln. Die Einzeldinge aber sind nach dem Zeugnis unseres Selbstbewusstseins, nach der Erfahrung und dem allgemeinen Urteil des gesunden Menschenverstandes wirkliche, bestimmte, selbstständige Wesenheiten.
3. Der letzte Ausweg für den Pantheismus ist die Behauptung, die Weltdinge seien gar nicht kontingent, sondern notwendig und absolut. Der Mensch müsse dieselben kontingent denken, aber dies sei nur Schein.
Das ist die vollendete Skepsis, welche an der Möglichkeit einer wahren Erkenntnis verzweifelt.
Wer die Kontingens der Dinge anerkennt, muss auch den letzten und einzigen Grund ihrer Möglichkeit und ihrer Wirklichkeit anerkennen, den unendlichen, ewigen Gott.
Dritter Teil.
Kant's Kritik des kosmologischen Beweises.
Wohl den ersten gewaltigen Versuch, den kosmologischen Beweis als Täuschung und Sophistik in seiner angeblichen inneren Falschheit zu enthüllen, machte Kant. Seine Einwürfe sind seitdem immer auf’s Neue wiederholt worden. Mit der spekulativen Vernunft, der transcendentalen Kritik wollte er„das ganze Nest von dialektischen Anmassungen, welches im kosmologischen Argument sich verberge, leicht entdecken und zerstören“(I. c. pg. 609). Mit welcher Siegesgewissheit und welcher Selbstgefälligkeit er dabei zu Werke ging, beweist folgende Stelle(l. c. pg. 613).„Selbst die Ewigkeit, so schauderhaft erhaben sie auch ein Haller schildern mag, macht lange nicht den schwindelnden Eindruck auf das Gemüth; denn sie misst nur die Dauer der Dinge, aber trägt sie nicht. Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, man kann ihn aber auch nicht ertragen: dass ein Wesen, welches wir uns auch als das Höchste unter allen möglichen vorstellen, gleichsam zu sich selbst sage: Ich bin von Ewigkeit zu Ewigkeit; ausser mir ist nichts, ohne das, was blos durch meinen Willen etwas ist; aber woher bin ich denn? Hier sinkt alles unter uns und die grösste Vollkommenheit, wie die kleinste, schwebt ohne Haltung blos vor der speculativen Vernunft, der es nichts kostet, die eine so wie die andere, ohne die mindeste Hinderniss verschwinden zu lassen“.
I. Die vier dialektischen Anmassungen.
Kuno Fischer(l. c. pg. 542, 543) giebt die Gedanken Kant'’s wieder, indem er sagt, das 1 sdluPlane Argument enthalte folgende 4 dialektische Anmassungen:
1.„Der kosmologische Beweis schliesst von dem zufälligen Dasein auf ein schlechthin not- wendiges, von dem bedingten auf ein unbedingtes. In der Erfahrung ist nur bedingtes Dasein gegeben. Also schliesst er von einem gegebenen Dasein auf ein nicht gegebenes, auf ein solches, das nie gegeben
sein kann. Dieser Schluss ist unmöglich. Das Dasein, worauf er zielt, ist kein erreichbares Objekt, sondern eine Idee.“


