durch ein anderes Seiendes verursacht wurde. Zufällig soll also nicht heissen: vom Zufall bewirkt; nein, es bedeutet, dass etwas zwar existiere, aber auch nicht existieren könne; es existiere nur durch ein Anderes. Im Gegensatz zum kontingenten Sein bezeichnet„notwendig“ ein Seiendes, das gar nicht nichtsein kann, das durch sich selbst ist, das existieren müsste, wenn auch ausser ihm gar nichts wäre, und ohne welches überhaupt nichts existieren könnte.
2. Fassen wir nun die Weltdinge in's Auge, so erkennen wir zunächst, dass sie wirklich sind, existieren. Des weiteren aber bezeugt uns die tägliche Erfahrung, dass die Dinge entstehen und vergehen. Also sind die Dinge kontingent, sind aus sich indifferent für Existieren und Nicht- existieren; bevor sie wirklich geworden, waren sie nur möglich. Ihre Möglichkeit ging ihrer Wirklichkeit voraus, ist also von dieser real verschieden.
3. Auch hier wird der Einwand erhoben, das Werden der Dinge sei nur Neugestaltung des ewigen Stoffes. Dieser Einwand aber ist oben schon zurückgewiesen worden.
II. These. Die Kontingenz der Weltdinge setzt ein durch sich notwendiges Wesen voraus.
1. Jedes kontingente Wesen hat den Grund seiner Wirklichkeit nicht in sich, sondern in einem anderen Wesen. Dieses andere kann nun wieder kontingent sein; dann erfordert es für seine Wirklichkeit ein Drittes, welches wiederum kontingent sein kann etc. Ist es nun denkbar, dass Alles, was existiert, ausnahmslos kontingent sei? Dies annehmen, hiesse behaupten: Alles Seiende, also das Sein überhaupt, habe seinen Grund in einem Anderen, das gar nicht existiere, also im Nichts. Wer dieses Absurdum nicht zugeben will, muss mit metaphysischer Gewissheit wenigstens ein Notwendiges annehmen, welches die Ursache seiner Existenz in sich selbst hat und der Grund alles Kontingenten ist.
2. Bei allen kontingenten Dingen geht die Möglichkeit des Seins der Wirklichkeit voraus; bevor sie geworden, waren sie nur möglich. Die Möglichkeit zu sein, d. h. gewirkt zu werden, kann nun von einem Nichtwirklichen nur unter der Voraussetzung ausgesagt werden, dass schon ein Wirkliches existiere, welches die Kraft besitzt, dem bis jetzt blos Möglichen das Wirklichsein mitzuteilen. Ein Mögliches kann sich nicht selbst verwirklichen, sondern nur durch ein Wirkliches zu sein anfangen. Daraus folgt, dass von Ewigkeit ein Wirkliches existieren muss, sonst wäre nie etwas möglich gewesen, geschweige, dass etwas hätte wirklich werden können. Dieses ewig Wirkliche muss, weil durch sich selbst, unendlich sein.
III. These. Dieses notwendige Wesen ist von den Weltdingen verschieden, ausserweltlich.
Alle Einwände, welche der Pantheismus gegen diesen Satz erhebt, sind reine Thantasievor- stellungen und blühende Redensarten, ohne einen denkrichtigen Sinn.
1. Die einzelnen Dinge oder Erscheinungen seien kontingent und zeitlich, das Ganze aber, die Natur überhaupt, ewig und notwendig. Was ist denn das Ganze? Doch nur die Gesamtheit seiner Teile! Die Einzelwesen, die anorganischen und organischen, die körperlichen und geistigen, mit ihren Kräften und Wirksamkeiten, ihren gegenseitigen Beziehungen, in ihrer wunderbaren Ordnung, sie bilden in ihrer Summe das Weltganze. Es gibt keine allgemeine, unbestimmte Naturkraft, so wenig wie eine allgemeine, von den Einzeldingen verschiedene Weltsubstanz. Sind aber alle Theile kontingent, so ist auch das Ganze kontingent, denn sind alle Theile vom Ganzen weggenommen, so bleibt nur das reine Nichts übrig.


