Formen, Teilsubstanzen, welche vor der Bildung der neuen Organismen nicht existierten; in den Menschen aber sind sie geistige Substanzen, die nur durch einen Schöpferakt in's Dasein treten können.
Aber selbst wenn wir vom Standpunkte des krassen Materialismus aus die Geistigkeit der menschlichen Seelen, ja überhaupt die Existenz von Lebensprinzipien leugnen und nur den Stoff und seine Kräfte als wirklich anerkennen wollten, so bliebe dennoch voll und ganz das Resultat unseres Beweises bestehen, dass die erste Ursache aller Verursachungen anfangslos, ewig, also auch— gebrauchen wir einstweilen diesen Ausdruck— unverursacht, deshalb unendlich— Gott sei. Dass aber der Stoff selbst nicht ewig, also nicht unverursacht sein kann, zeigen folgende Erwägungen:
1. Wäre der Stoff von Ewigkeit, also unverursacht, so müsste er durch sich, also unbedingt sein. Nun sind aber die Stoffteile, Atome in ihren Bewegungen, in der Bethätigung ihrer Kräfte, in ihrem ganzen Verhalten fort und fort bedingt; kein Atom kann thätig werden und thätig sein ohne äussere Einwirkung. Der Thätigkeitsweise entspricht aber notwendig die Seinsweise. Das durch sich Seiende ist auch durch sich thätig. Was in seinem ganzen Thun und Wirken bedingt ist, muss auch in seinem Sein und Wesen bedingt sein.
2. Wäre der Stoff durch sich, so müsste er unendlich sein, er ist aber endlich; ja die Atome, wie der Materialist dieselben sich denkt, haben nur ein Minimum von Sein.
3. Will man sich mit der Ausrede helfen:„wir fragen nicht nach dem Grund des Daseins der Atome, wir betrachten sie einfach als vorhanden und damit begnügen wir uns“, so kann der Natur- forscher das mit Recht sagen, ja muss es sagen, denn als Naturforscher hat er mit metaphysischen Fragen sich nicht zu befassen. Für den Philosophen aber wäre eine solche Ausrede ein Aufgeben des eigentlichen Zweckes der Philosophie, nämlich nach den letzten Gründen alles Seins zu forschen.
Beantworten wir noch einen vielfach erhobenen Einwand gegen das Argument ex ratione causae efficientis. Man sagt:„Da die erste Ursache erst mit Beginn der Zeit die causae secundae bewirkt hat, so ist sie in diesem Momente etwas geworden, was sie vorher nicht war, sie hat eine Veränderung erlitten, welche wiederum eine Ursache haben muss; demnach haben wir es nicht mit einer causa prima, sondern wieder mit einer causa secunda zu thun. Dieser Einwand um- schliesst ein doppeltes Missverständnis, denn:
1. Gerade das Kausalitätsgesetz zwingt uns, eine erste Ursache anzunehmen, welche Ursache wird, Veränderungen hervorruft, ohne dabei selber eine Veränderung zu erleiden— also ein unend- liches Wesen.
2. Wohl hat die Welt ihrer Natur nach einen Anfang mit und in der Zeit genommen; der Willensakt aber, der sie in's Dasein gerufen, ist ein ewiger. Die erste Ursache ist nicht thätig geworden, nicht nach einer Dauer der Unthätigkeit erst in Thätigkeit getreten, sie ist ewig thätiges Prinzip; ihr Wollen ist identisch mit ihrem Wesen. Von Ewigkeit her will Gott, dass die Welt mit der LZeit beginne.
C. Beweis aus der Kontingenz der Weltdinge.
I. These. Alle Dinge in der Welt sind kontingent oder zufällig.
1. Kontingent oder zufällig nennen wir ein Seiendes, insofern es nicht durch sich, kraft seiner Wesenheit, d. h. notwendig existiert, sondern nur deshalb wirklich geworden ist, weil es


