Aufsatz 
Kosmologischer Gottesbeweis und Kant's Kritik der reinen Vernunft / Abhandlung des Gymnasiallehrers Heinrich
Entstehung
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Minor: Nun zeigen uns sowohl die tägliche Erfahrung, als auch die Naturwissenschaften überall in der Welt derartige Reihen.

Conclusio. Also muss es als erste Ursache aller Wirkungen in der Welt ein Wesen geben, das in keiner Weise gewirkt, sondern alles, was es ist, durch sich selbst ist.

I. Obersatz.

Der Beweis des Obersatzes ist im Wesentlichen schon im Vorausgegangenen geführt.

1. Es wurde nachgewiesen:

a) dass ein regressus in infinitum nicht möglich sei, weil jede Reihe, selbst eine unendliche(ihre Möglichkeit vorausgesetzt) notwendig ein Anfangsglied haben müsse;

b) dass dieses Anfangsglied nicht selbst wieder Wirkung sein könne, denn sonst wäre es entweder nicht das Anfangsglied, oder wir hätten eine Reihe von Wirkungen, d. i. eine gewirkte Reihe, ohne eine Ursache.

Es kann nicht Alles, was existiert, verursacht sein; Verursachtes setzt Nichtverursachtes voraus. Alles Verurschte hat vor seiner Verursachung nicht existiert gäbe es also Ticht ein Nichtverursachtes, so wäre das absolute Nichts Grund nnd Ursache von Allem.

2. Den Einwand eines Kreislaufes sich gegenseitig verursachender Wirkungen wird wohl Niemand im Ernste machen. Denn:

a) Die Ursache geht, wenn nicht der Zeit, so doch wenigstens der Ordnung nach der Wirkung voraus. Deshalb kann eine Reihe, in der jedes Glied das nachfolgende verursacht, nie mit einer in sich selbst zurücklaufenden Kreislinie verglichen werden, sondern nur mit einer geraden Linie, welche zu ihrem Ausgangspunkte nicht zurückkehrt. In einer Kreislinie bedingter Ursachen wäre jedes Glied Wirkung und zugleich Ursache der vorausgegangenen Glieder sowohl als auch der nachfolgenden.

Besonders einleuchtend ist dieser Widerspruch, wenn wir bedenken, dass bei den Reihen be- dingter Ursachen in der Welt die Wirkung in der Regel auch zeitlich später ist als die Ursache. Bei dem angeblichen Kreislaufe nun müsste das Vergangene nicht blos Ursache, sondern auch Wirkung des Zukünftigen, d. h. des noch nicht Existierenden sein, sowie das Zukünftige, bevor es selbst durch das Vergangene zur Wirklichkeit gebracht war, dasselbe Vergangene ursächlich be- wirkt hätte.

b) Wie schon bemerkt wurde, kann jeder Punkt einer Peripherie als der erste und letzte in derselben angesehen werden; bei der Konstruktion aber geht der beschreibende Stift von einem ganz bestimmten Punkte als dem ersten aus gerade so müsste auch ein Kreislauf von bedingten Ursachen von einem bestimmten Gliede als dem ersten ausgehen. Dieses zuerst verursachende Glied müsste entweder durch sich selbst existieren oder durch eine ausserhalb des Kreislaufes stehende Ursache bewirkt sein.

ce) Von Kreisläufen im Haushalte der Natur kann man nur in dem Sinne reden, dass der gleiche Stoff verschiedene Wandlungen oder Gestaltungen durchmacht, um schliesslich wieder seine erste Form anzunehmen, z. B. Kreislauf des Wassers, oder dass Spannkraft in wirkliche Bewegung, die eine Bewegungsform in die andere umgesetzt wird und schliesslich dann ein Rückumsatz stattfindet, z. B. die lebendige Kraft eines bewegten Körpers in Wärme, diese wieder in Bewegung etc. Bei all' diesen Prozessen aber bildet die Kette der aufeinanderfolgenden Ursachen und Wirkungen eine in der Zeit fortlaufende gerade Linie, nie und nimmer aber eine Kreislinie, in welcher die letzte (Spätere) Wirkung die Ursache der ersten(früheren) Ursache wäre.