Aufsatz 
Kosmologischer Gottesbeweis und Kant's Kritik der reinen Vernunft / Abhandlung des Gymnasiallehrers Heinrich
Entstehung
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2. Dieser erste Beweger, der selbst unbewegt ist, kann aus den schon angegebenen Gründen nicht Körper sein,(niemals kann der Stoff unbewegt bewegen), sondern muss ein unkörperliches, d. i. geistiges Wesen sein.

a) Dieses geistige Wesen hat aber die Bewegung mit Freiheit verursacht; denn da die Bewegung, wie schon nachgewiesen, eine zeitliche Dauer hat, so hat der erste Beweger nach freiem Ermessen den Anfangsmoment bestimmt, aus den möglichen Anfangsmomenten den thatsäch- lichen ausgewählt. Hätte der erste Beweger mit Naturnotwendigkeit, kraft immanenten Triebes die Bewegung verursacht, so müsste entweder die Bewegung wie der Beweger ewig sein, was unmöglich, oder der Beweger wäre im Momente, da er die Bewegung verursachte, selbst erst entstanden, d. h. durch einen allmächtigen Schöpfer in's Dasein gerufen.

b) Dieser freie Geist, welcher den ersten Anstoss in der Bewegungsreihe gegeben, ist ent- weder endlich oder unendlich. Ist er ein endlicher Geist, so hat er im Augenblick, da er jenen Anstoss gegeben, eine neue Thätigkeit entfaltet, ist also in dieser Beziehung à otentia ad actum übergegangen. Ein solcher UÜbergang a potentig ad actum setzt aber wiederum eine bewegende, veranlassende Ursache voraus, denn auch im Leben des Geistes gilt ganz und voll der Satz: omme, quod movelur, ab alio movetur. Demnach wäre ein endlicher Geist als erster Urheber der räumlichen Bewegung in der Reihe der bewegten Glieder zwar räumlich unbewegt, aber keines- wegs ein movens immotum im vollen Sinne des Wortes. Wir können also nicht bei ihm als letzter Ursache der Bewegung stille stehen, sondern müssen jetzt in der Reihe der verursachten geistigen Bewegungen immer weiter zurückgehen, bis wir wirklich einmal gelangen zu einem xuοννν o 2i roy im absoluten Umfange des Begriffes. Mag dasselbe noch so weit zuröckliegen, endlich muss es einmal kommen, weil eine unendliche Reihe unmöglich ist; es muss als allererste, ursprüngliche Ursache an der Spitze dieser Reihe von verursachten und verursachenden geistigen Bewegungen stehen; denn lauter causae secundae ohne eine causa prima annehmen, ist, wie wir schon gesehen, absurd.

Dieses uνονν eηρνν kann aber nur ein unendliches Wesen sein, ein Wesen von unendlicher d. i. reiner Wirklichkeit, ohne jede Möglichkeit(actus purus), denn nur bei einem unendlichen Wesen ist jeder UÜbergang à potentia ad actum ausgeschlossen, nur das unendliche Sein mit unendlicher Wirksamkeit kann Etwas, was nicht war, verursachen, ohne eine neue Kraft zu entfalten.

Jede Bewegungsreihe führt den logisch Denkenden auf ein solches wiodν αↄei o zurück. Das Unendliche ist jedoch nur eines. Zwei oder mehrere unendliche Wesen sind nicht denkbar. Sie müssten entweder spezifisch oder wenigstens numerisch verschieden sein. Im ersteren Falle wären sie in Eigenschaften, Vollkommenheiten verschieden, im zweiten Falle könnten sie addiert werden, und wäre dann gewiss die Summe grösser als die Addenden beides aber widerspricht dem Begriffe des Unendlichen. Daraus folgt: es giebt nur eine erste Ursache aller Bewegung. Diese eine erste Ursache, die als solche ein unendliches, freies, geistiges, also persönliches Wesen ist, nennen wir Gott.

B. Beweis aus der Reihenfolge der bewirkenden Ursachen.

Diese zweite Form des kosmologischen Beweises vollzieht sich in folgendem Syllogismus:

Major: Eine Reihe bewirkender Ursachen, in welcher jedes Glied Wirkung des voraus- gehenden und Ursache des nachfolgenden Gliedes ist, setzt eine Anfangsursache voraus, welche nicht Wirkung, sondern durch sich selbst ist.