Aufsatz 
Kosmologischer Gottesbeweis und Kant's Kritik der reinen Vernunft / Abhandlung des Gymnasiallehrers Heinrich
Entstehung
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verwandelte lebendige Kraft nicht wieder vollständig durch Rückumsetzung gewonnen werden; ein Bruchteil davon bleibt gebunden.(Clausisches Gesetz). Deshalb muss mit mathematischer Ge- wissheit, nach, wenn auch ungeheuer langen, so doch endlichen Zeiträumen, ein Zustand der Welt eintreten, in welchem aller Vorrat an lebendiger Kraft in Wärme übergegangen, aller Unterschied in der Temperatur ausgeglichen und damit allgemeiner Stillstand hergestellt ist. Wäre nun die Welt und die Bewegung in ihr von Ewigkeit, so müsste, weil seitdem schonunendliche Zeit verflossen, dieser Zustand absoluter Ruhe längst eiugetreten sein. Was zeitlich verläuft und in der Zeit seinen Abschluss findet, hat auch in der Zeit seinen Anfang genommen.

Man könnte den Einwand versuchen, der Kraftvorrat in der Welt sei ein unendlicher und könne darum nie erschöpft werden. Wir antworten:

a) Ein unendlicher Kraftvorrat, der, wie die Wissenschaft lehrt, beständig abnimmt, ist doch etwas Seltsames. Was abnimmt oder abnehmen kann, besteht aus endlichen Teilen, die in ihrer Summe nie unendlich sein können. Ein Unendliches ist nicht mehr unendlich in dem Augenblick, in welchem es eine Verminderung erleidet.

b) Die lebendige Kraft resultiert aus der Masse des bewegten Körpers und seiner Geschwindig- keit. Eine unendliche lebendige Kraft setzt also entweder eine unendliche Körpermasse oder eine unendliche Geschwindigkeit voraus. Beides aber ist absurd; denn eine unendliche Masse würde den Raum absolut ohne Zwischenspatien ausfüllen und so jede Bewegung unmöglich machen; ein bewegter Körper aber mit unendlicher Geschwindigkeit müsste alle Räume im Momente, also ohne Zeit durchfliegen.

II. These.

Alles, was in Bewegung ist, wird von einem schon Bewegten in Bewegung gesetzt. Nichts bewegt sich selbst.

1. Der Stoff ist seiner Natur nach träge, d. h. indifferent für Ruhe und Bewegung; seine Wesenheit ist weder Grund seiner Ruhe, noch Ursache seiner Bewegung. Denn ein Körper, der in Bewegung ist, bleibt in Bewegung, bis eine äussere Kraft ihn zur Ruhe bringt; und ein Körper in Ruhe bleibt so lange in Ruhe, als nicht ein äusserer Anstoss ihm Bewegung mitteilt. Daraus folgt, dass aller bewegter Stoff seine Bewegung von aussen empfangen hat.

2. Die Behauptung, Bewegung sei dem Stoffe wesentlich und desshalb ursprünglich eigen, widerspricht nicht blos den eben genannten Resultaten der Erfahrung, sondern ist auch metaphysisch falsch. Bewegung ist Veränderung. Nun gehört allerdings zum Wesen der endlichen Dinge die Möglichkeit, verändert za werden, aber nicht die Veränderung als solche. Denn Veränderung ist Übergang vom Möglichsein zum Wirklichsein. Wenn man nun sagt, es sei einem Dinge die Ver- änderung ursprüngliche Natur, so heisst das nichts anderes als: es sei einem Dinge kraft seiner Wesenheit notwendig, anders zu sein und zu werden, als es wirklich ist. Gewiss ein Absurdum. Ferner: ist die Bewegung dem Stoffe wesentlich, so sind Weltstoff und Weltbewegung gleichen Alters, nämlich entweder beide ewig oder beide zeitlich. Ersteres ist unmöglich, da es eine ewige Bewegung nicht geben kann, also müssen beide zeitlich sein, d. h. der Stoff ist mit der Bewegung in der Zeit entstanden, durch den allmächtigen Gott erschaffen worden.

3. Was noch unbewegt ist, kann sich nicht selbst in Bewegung setzen. Denn ein Bewegendes ist als solches schon in Bewegung. Ein Unbewegtes, das sich selbst in Bewegung setzt, wäre demnach in einem und demselben Momente bewegt und unbewegt also unvereinbar mit dem Prinzip des Widerspruches.