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3. Einwände gegen den Begriff:„Ursache“.
a)„Wir beobachten im Gange der Erscheinungen nur die Aufeinanderfolge der einzelnen Ereignisse, das dieselben verbindende Band ist uns verborgen; wir sind nicht berechtigt, aus der Aufeinanderfolge zweier Phänomene auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen ihnen zu schliessen“(Locke, Hume). Darauf ist zu antworten: wir unterscheiden genau zwischen bloser Aufeinanderfolge und Verursachung, wir hüten uns wohl, das schnelle Urteil zu fällen: post hoc: ergo propter hoc. Aber wir urteilen bei einer Fülle von Gelegenheiten mit unzweifelhafter Ge- wissheit, dass ein vorhergehendes Ereignis die bewirkende Ursache des nachfolgenden sei, weil der innere Zusammenhang beider offen vor Augen liegt. Sollten wir jedoch in einzelnen Fällen aus ungenügender Einsicht einer Erscheinung eine falsche Ursache unterlegen, so folgt daraus noch lange nicht, dass diese Erscheinung überhaupt keine Ursache habe— nein: steht es fest, dass diese Erscheinung vorher nicht existiert hat, so steht ebenso fest, dass ein anderes schon Wirkliches sie nun zum Werden gebracht, verursacht hat— wer dies leugnete, müsste schliesslich zugestehen, dass das absolute Nichts die Ursache alles Werdens und Seins sei.
b)„Die Natur der Seele ist uns unbekannt; wir wissen nicht, wie sie auf den Körper und seine Teile einwirket, deshalb ist es unstatthaft, die innere Erfahrung als stringent beweisend anzusehen.“ Wenn wir auch das Wesen der Seele und ihre geheimnisvolle Verbindung mit dem Leibe nicht völlig begreifen, so ist es uns dennoch durch das Zeugnis des Selbstbewusstseins unzweifelhaft sicher, dass wir denken und wollen, dass die Seele den Körper beherrscht. Incer- titudo modi non tollit certitudinem actus.
c)„Der Begriff Ursache ist eine uns angeborene Idee, mit welcher wir an die Betrachtung der Erscheinungen herantreten, er ist eine rein subjective Porm unseres Denkens, unter welcher wir die Aussenwelt auffassen— ob aber dieser Idee, dieser Denkform die objective Wirklichkeit entspricht, ist uns durchaus unbekannt.“
Der Begriff„Ursache“ ist uns keineswegs angeboren, sondern, wie oben ausgeführt, aus den Wahrnehmungen der inneren und äusseren Erfahrung abstrahiert. Wir kommen zum Begriffe Ursache, sobald wir ein Werden, ein Entstehen beobachten, d. h. einen Uebergang vom Nichtsein zum Sein, vom blos Möglichsein zum Wirklichsein. Erst aus der durch die innere und äussere Wahrnehmung konstatierten Thatsache, dass in uns und ausser uns Veränderungen, d. i. Verwirklichungen stattfinden. bilden wir uns den Begriff der verändernden, verwirklichenden Kraft, der Ursache.
4. Das Kausalitätsgesetz.
„Keine Wirkung ohne Ursache.“ Dieser Satz ergiebt sich als unanfechtbares Urteil un- mittelbar aus der Zusammenstellung und Vergleichung der Begriffe Ursache und Wirkung.
a) Das Kausalitätsprinzip ist ein analytisches Urteil, d. h. durch die Analysis des Satzsub- jektes erhält man, als im Subjekte eingeschlossen, das Prädikat. Wirkung bezeichnet ein Sein, welches gewirkt worden, d. h. vom Nichtsein zum Wirklichsein gebracht worden ist; mit anderen Worten: die Wirkung ist verursacht. Sie kann aber nicht durch sich selbst verursacht sein; denn sonst hätte sie vor ihrem Werden schon existieren müssen, was eine contradictio in ad)ecko, also ist sie von einem Anderen verursacht. q. e. d.
b) Wie in a) schon angedeutet, beruht das Kausalitätsprinzip ganz auf dem Prinzip des Widerspruchs, oder, besser gesagt, ist nur eine spezielle Anwendung desselben. Es ist unmöglich, dass etwas in derselben Beziehung sei und zugleich nicht sei. Eine Wirkung heisst Wirkung, insofern sie gewirkt d. i. verursacht ist. Eine Wirkung ohne Ursache wäre aber eine nicht gewirkte


