Aufsatz 
Kosmologischer Gottesbeweis und Kant's Kritik der reinen Vernunft / Abhandlung des Gymnasiallehrers Heinrich
Entstehung
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Erster Teil.

Das Kausalitätsgesetz als Grundlage des kosmologischen Beweises.

Der kosmologische Beweis beruht in seinen verschiedenen Formen ganz auf dem Kausalitäts- gesetze und setzt dasselbe als allgemein anerkannte Wahrheit voraus. Da jedoch selbst dieses Grundprinzip unseres Denkens und Schliessens angezweifelt und geleugnet wird, so müssen wir zuerst seine innere Wahrheit darlegen und die erhobenen Einwände zurückweisen.

1. Entwicklung des BegriffsUrsache.

Unter Ursache im engsten und eigentlichen Sinne(causa efficiens) verstehen wir dasjenige, durch welches irgendein Anderes wird, oder, ausführlicher gesagt, ein Wirklichseiendes, das durch seine wirkliche physische Thätigkeit ein bis jetzt nur Möglichseiendes zum Wirklichseienden macht. Dieses Letztere, welches durch die Ursache vom blossen Möglichsein zum Wirklichsein, zum Existieren geführt wird, nennen wir die Wirkung.

Aus diesen Begriffen ergiebt sich, dass:

a) die Wirkung von der Ursache real verschieden ist,

b) die Ursache der Ordnung nach, wenn auch nicht notwendig der Zeit nach, der Wirkung vorangeht.

2. Entstehung des BegriffesUrsache.

Auf zweifache Weise gelangen wir zum Begriffe: Ursache:

a) Die äussere Wahrnehmung zeigt uns in der uns umgebenden Welt unaufhörliche Veränderungen, d. h. Uebergänge vom Nichtsein zum Sein, oder vom Sosein zum Anderssein; beständig sehen wir, wie neue Wesen, die vorher nicht waren, jetzt wirklich sind, wie Zustände eintreten, welche vorher nicht vorhanden waren. Bei all' diesen Wahrnehmungen aber sagt uns der Verstand mit unfehlbarer Gewissheit, dass dasneue Sein sich nicht selbst zum Existieren geführt hat; denn was noch nicht ist, kann nicht wirken, und was wirkt, existiert schon. Deshalb sind wir genöthigt, wo immer ein vorher blos Mögliches wirklich wird, zu urteilen, dass ein anderes Wirklichseiendes dieses Mögliche wirklich hervorgebracht hat, d. h. seine Ursache ist.

b) Die innere Erfahrung unseres Selbstbewusstseins bezeugt uns mit zweifelloser Gewissheit, dass wir selbst die Urheber unserer Gedanken und Willensentschlüsse sind, dass unsere Seele durch den Willen auf die verschiedenen Teile und Organe des Körpers einwirkt und dass wir durch unseren Körper in der uns umgebenden Aussenwelt Veränderungen hervorbringen. In all' diesen Zeugnissen unseres Bewusstseins ist der Begriff Ursache eingeschlossen und ergiebt sich aus denselben durch einfache Reflexion.