Aufsatz 
Die Gründung der nordostdeutschen Kolonialstädte und ihre Entwicklung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
Entstehung
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noch schreiben, nicht einmal die Kaufleute. Aus diesem Grunde behalf sich auch die grolse Mehrzahl der Städte noch ohne ge- schriebene Rechtsbücher, und nur selten wurde das Recht einer Stadt einer anderen auf schriftlichem Wege mitgeteilt, wie Breslau 1261 von Magdeburg und Elbing zweimal von Lübeck. Das erste Lübecker Rechtsbuch vom Jahre 1240 ist lateinisch abgefalst, das zweite, ungefüähr vom Jahre 1265, hingegen deutsch, ein Beweis, dafs schon damals die deutsche Sprache im Begriff war die lateinische aus den Urkunden und sonstigen Aufzeichnungen zu verdrängen.

Das Verhältnis der damaligen Preise zu den heutigen läſst sich aus vielen Gründen nicht recht ermitteln. Nur soviel steht fest. dafs das Geld einen weit höheren(mindestens sechsfachen) Wert hatte als jetzt. Man prägte überall im Osten bloſs Brakteaten- pfennige d. h. einseitig gestempelte Blättchen aus Silberblech, nach verschiedenem Münzfuſs, also auch verschiedenen Wertes. Der preufsische und schlesische Pfennig hatte einen Mittelwert von un- gefähr 4, der lübische von etwa 8 Pfennigen unserer heutigen Währung. Wegen ihrer Gebrechlichkeit wurden die Pfennige sehr oft erneuert, in Schlesien z. B. wenigstens einmal in jedem Jahre. Das Münzrecht stand ursprünglich nur den Landesherrn zu, gelangte aber in einigen Städten schon während des 13. Jahrhunderts an den Rat. Gröfsere Beträge zahlte man in Barren aus Gold oder Silber; das Wertverhältnis dieser beiden Metalle war im Durchschnitt 9:1. Besser als die Preisverhältnisse ist uns der Zinsfuls bekannt, er

betrug gewöhnlich 10 12%. Direkte Steuern wurden, abgesehen vom Hufenzins, in den Städten noch nicht erhoben die Ver- mögenssteuer datiert erst aus dem 14. Jahrhundert von den

indirekten benutzte man schon die Accise, doch fast nur bezüglich der Getränke. Neben dem Gelde dienten zur Zahlung von Abgaben und Buſsen oder für Waren noch sehr oft Naturalien, wie Getreide, Wein, Honig u. dergl. Was die Stadt für sich selbst von den Bürgern erhob, verwandte sie zum gröſsten Teile auf ihre Bauten, während die Ausgaben für Beamtengehälter und ähnliche Dinge sehr geringfügig waren. Überhaupt herrschte im Haushalt der Städte wie der Privatleute noch die gröſste Einfachheit, weil man wenig Bedürfnisse hatte und gar viele Ausgaben nicht kannte, die uns jetzt als unvermeidlich erscheinen.

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