Aufsatz 
Die Gründung der nordostdeutschen Kolonialstädte und ihre Entwicklung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
Entstehung
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ordnete der Rat von Lübeck im Jahre 1276, man solle die Gebäude fester aufführen, mit Brandmauern und feuersicherer Bedachung. Seitdem wurden daselbst die Backsteinhäuser viel zahlreicher als früher, aber in den kleinen Städten blieb es bis zum Ausgang des Mittelalters, ja vielfach bis in unsre Tage beim Holz- oder doch Fachwerkbau. Neben den häufigen Bränden waren Pest und Hungersnot schlimme Geilſseln der Menschheit. Beide zugleich suchten z. B. im Jahre 1264 nach einem sehr strengen Winter Schlesien heim und zwar in solchem Grade, dafs allein in Jauer über 1100 Einwohner umgekommen sein sollen. Die verheerenden Epi- demien wurden zum Teil durch die Unsauberkeit der Straſsen und Plätze begünstigt, wennschon mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dals man diese im Osten wegen des meistens undurchlässigen Bodens früher zu pflastern begann als im altdeutschen Westen.

Die Volksbildung stand noch auf einer recht niedrigen Stufe. Von Schulen ist wenig die Rede, und wo es eine solche gab, war es meist eine Lateinschule an einer bischöflichen Kirche oder einem Kloster, von Geistlichen geleitet und fast ausschliefslich dazu be- stimmt, junge Leute zu Klerikern heranzubilden. Immerhin kamen jedoch seit der Mitte des 13. Jahrhunderts auch schon Stadt- oder Ratschulen auf, z. B. in Lübeck, Rostock, Elbing, Brieg, Schweid- nitz, Leobschütz und Breslau. Die Bürger der letztgenannten Stadt klagten im Jahre 1267 einem gerade anwesenden päpstlichen Legaten, dals ihre Kinder, die die Domschule jenseit der Oder besuchten, wegen des weiten Weges und des Gedränges, namentlich auf der Brücke, mancherlei Gefahren ausgesetzt seien, und baten um die Erlaubnis eine eigene Schule gründen zu dürfen. Nachdem der Bischof und das Domkapitel ihre Zustimmung gegeben hatten, wurde ihnen denn auch vom Legaten gestattet in Breslau neben der Kirche zu Maria Magdalena eine Stadtschule zu errichten, in der die Knaben das Alphabet, das Vaterunser und den englischen Grufs nebst dem Symbolum und dem Psalter, sowie dem Kirchengesang lernen und ferner noch den Donat, Cato, Theodul und die regulae pueriles hören sollten; wer höher hinaus wolle, solle sich nach der Domschule oder sonst wohin wenden. Aber auch an den Ratschulen waren damals die Lehrer Geistliche. Solche dienten anfänglich auch als Stadtschreiber, und nicht selten bekleidete dieselbe Person beide Amter zugleich. Geistliche besorgten aufserdem die Schreiberei in den Münzstätten, denn die Laien konnten in der Regel weder lesen