Aufsatz 
Die Gründung der nordostdeutschen Kolonialstädte und ihre Entwicklung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
Entstehung
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lange Zeit hindurch die Mitglieder des Rates allein hervorgingen. Auf eine Stendaler Tuchhändlerfamilie führt unter anderm auch aller Wahrscheinlichkeit nach der Stammbaum der Bismarcks zurück; sie gaben der Stadt mehrere Ratsherrn und erlangten um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Ritterwürde. Die grolse Masse der Bürger- schaft bestand fast überall aus Handwerkern und gliederte sich, hier früher, dort später, in Innungen oder Zünfte, deren viele aller- dings erst nach dem Jahre 1300 enstanden sind. Den Tuchhändlern zunächst folgten auf der sozialen Stufenleiter gewöhnlich die Wollen- weber. Sie waren besonders in den märkischen Städten sehr zahlreich und gerieten hier auch schon frühzeitig mit den Gewandschneidern in erbitterte Kämpfe um das Recht des Tuchverkaufs im Kleinen. Unter den anderen Gewerken, die sich oft erst beträchtlich später als die Weber organisierten, ragten namentlich die Fleischer, Bäcker, Schuhmacher und Kürschner hervor. Nicht selten vereinigten sich verwandte Gewerbe zu einer einzigen Zunft, z. B. die Gerber mit den Schuhmachern. Im Gegensatz zu den altdeutschen Städten waren die Handwerker im Osten von Haus aus sämtlich freie Leute, aber trotzdem wurde es ihnen nicht leicht gemacht, aus den Zünften zum Patriziat emporzusteigen. In Stendal z. B. mulsten diejenigen, welche in die vornehme Gilde der Kaufleute und Gewandschneider aufge- nommen werden wollten, zuvor ihr Handwerk feierlich abschwören und eine hohe Summe als FEintrittsgeld erlegen. Am tiefsten in der öffentlichen Achtung standen vieler Orten die Leinenweber; sie galten alsunehrlich und unzünftig, vielleicht deshalb, weil sich ihrem Gewerbe besonders Bauern und Slaven gern zuwandten. In Hinsicht auf letztere Thatsache ist es überhaupt merkwürdig, mit welchem Stolz die Deutschen in der Regel auf Slaven und andere Nichtdeutsche herabsahen, soweit sie nicht adeliger Geburt waren. Sie nahmen sie grundsätzlich nicht in ihre Zünfte auf, liefsen sie meist nur zu niederen Dienstleistungen in ihren Städten zu und versagten ihnen fast durchweg den Mitgenuls des deutschen Rechtes (Vergl. S. 20 f.). Daſs man sich auch von den Juden abschloſs, be- sonders in Polen, versteht sich von selbst, denn hier wurde der nationale Gegensatz durch den Unterschied des religiösen Bekennt- nisses noch bedeutend verschärft.

Während im Handwerk noch der Kleinbetrieb herrschte und kaum erst die Anfänge der Bildung eines besonderen Gesellen- standes bemerklich waren, das Geschäft also zwar seinen Mann ganz