Aufsatz 
Die Gründung der nordostdeutschen Kolonialstädte und ihre Entwicklung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
Entstehung
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nicht allein auf wirtschaftlichem Gebiete auszufechten war, sondern oft genug auch auf politischem, sei es nun dals fremde Fürsten ihrer wachsenden Macht eifersüchtig in den Weg traten oder dals die einheimische Bevölkerung die deutschen Eindringlinge in wütendem Aufruhr überfiel, um sie wieder zu vertreiben. Wie viel hatte bei- spielsweise Riga in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens von den Völkern der Nachbarschaft, Liven, Esten, Letten, Kuren, Sem- gallen und Litthauern zu leiden, wie oft erhoben sich die heid- nischen Preussen allein oder im Bunde mit Litthauern und Russen gegen die Herrschaft des deutschen Ordens! Im grossen Aufstand der Jahre 1260 73 fielen die Städte Christburg, Rheden und Löbau einer einmaligen, Marienwerder sogar einer zweimaligen völligen Zer- störung anheim, während Thorn wenigstens in die grölste Gefahr geriet und Elbing durch Hinterlist der Gegner einen grolsen Teil seiner Bürger einbüſste. Aber die Verluste wurden wieder ersetzt, die Städte neu aufgebaut. Und schon frühzeitig ergriffen die be- drohten Bürger anch dasjenige Mittel, das solche Gefahren am ehesten siegreich zu überwinden versprach, nämlich den Zusammen- schluſs zu gröfseren Vereinigungen. Insbesondere gingen die See- städte wie Lübeck und die übrigen wendischen Orte schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts zeitweilig Bündnisse mit einander ein, um die Störer ihres Handels mit gesammelter Kraft zurückzuweisen. Mit ihnen gingen bald auch die preufsischen und livischen Städte Hand in Hand, und so wurde der Grund zu dem späterhin so machtvollen Hansabund bereits im 13. Jahrhundert gelegt.

6. Zustände im Innern.

Die gesellschaftliche Gliederung und Wertschätzung der Stadt- bürger hing im Osten ebenso wie in Westdeutschland fast aus- schliefslich von der wirtschaftlichen Bedeutung und dem Wohlstand der einzelnen Berufsklassen ab. Daher gaben in den Seestädten die Grofskaufleute den Ton an, in den Städten des Binnenlandes dagegen, da hier deren Zahl meist gering war, die Kaufleute in ihrer Gesamtheit, die sich gewöhnlich aus Groſshändlern, Gewand- schneidern und Krämern zusammensetzte. In der Mark Brandenburg und zum Teile auch in Schlesien übertraf die Korporation der Ge- wandschneider alle übrigen an Stärke oder Reichtum; sie bildete deshalb dort den Kern eines städtischen Patriziats, aus dessen Reihen