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Seiten, nach Norden(Thorn und Danzig), nach Westen(Liegnitz, Görlitz, Leipzig, Erfurt), nach Südwesten(Prag, Nürnberg, den Rheinlanden), Südosten(Krakau, Wieliczka) und Osten. Die meisten übrigen Städte führten vorläufig noch ein bescheidenes Dasein und begnügten sich damit, die eigenen Bürger und die Bewohner der umliegenden Burgen und Dörfer mit den notwendigen oder doch wünschenswerten Waren zu versehen, die sie selbst produzierten oder aus der Ferne einführten. Das Handwerk arbeitete zwar wie der Handel mit verhältnismäfsig grofsem Gewinn, aber fast bloſs für den lokalen Bedarf; nur die Tuchweber der märkischen Städte lieferten Tuche in groſsen Massen für den Export nach Osten und Westen, und auch die Schuhmacher von Perleberg scheinen aus- nahmsweise Material für eine bedeutende Ausfuhr nach den anderen Orten der Mark produziert zu haben.
Überhaupt haben wir uns die Verhältnisse der Kolonialstädte des 13. Jahrhunderts im Vergleich mit den heutigen Zuständen recht einfach und beschränkt zu denken; ihre Bedeutung ist eben eine durchaus relative und nur vom Standpunkt jener Zeiten aus richtig zu würdigen. Mehr als einige hundert Einwohner zählten ganz gewils nur wenige bevorzugte Orte. Aber dem entsprechend war ja auch damals das ganze Land diesseit und besonders jenseit der Elbe weit schwächer bevölkert als in der Gegenwart, sodals z. B. Livland und seine Nachbargebiete kaum ein Viertel ihrer jetzigen Einwohner zählten und Köln, wohl die gröſste deutsche Stadt jener Zeit, höchstens 50 000 Einwohner hatte. Erst das 14. Jahrhundert brachte ein schnelles Anwachsen der Volkszahl in den Städten des deutschen Ostens. Während z. B. im Jahre 1293 die sog. wendischen Städte mit einander verabredeten, dafs im Kriegsfall Lübeck 100, Rostock 70, Stralsund 50, Greifswald und Wismar je 38 Mann zur gemeinsamen Kriegsmacht stellen sollten, treffen wir etwa 70 Jahre später, 1361, in einem ähnlichen Vertrag viel grössere Zahlen, nämlich 600, 400, 400 und 200, und wenn- schon letztere Summen auſser Bürgern auch Söldner mitrechnen mögen, so ist doch auf jeden Fall eine bedeutende Erstarkung der Städte daraus klar zu ersehen. In Riga gilt im Jahre 1287 ein Heer von 450 Mann noch als sehr stark; dabei machten die Bürger nur einen Teil desselben aus. Indessen solche nach unsern Begriffen kleine Zahlen hinderten nicht, dafs sich diese jungen Pflanzstädte in rühmlichem Kampfe empor arbeiteten, in einem Kampfe, der


