19
Menschenalter, etwa von 1190— 1250, aufgebaut und erst später, im Jahre 1262, zu einer Stadtgemeinde vereinigt. Doch auch das Umgekehrte kam bisweilen vor, dafs Städte, die allzu ungünstig gelegen waren, nicht recht wachsen wollten und daher nur einen Teil des Normalplans ausfüllten, wie Meyenburg und Friedland in Brandenburg, oder gar überhaupt nicht lebensfähig waren und nach einem kurzen, kümmerlichen Dasein wieder spurlos verschwanden oder zu Dörfern herabsanken. Man hat sie treffend die Opfer einer gewissen Überproduktion genannt. Eine eigentümliche Mittelstellung nahm die Stadt Güstrow in Mecklenburg ein. Dort legte mun, wahr- scheiplich in der stolzen Hoffnung auf eine groſse Zukunft, ehe noch die erste Stadt aufgebaut war, eine zweite an. Nun aber blieb der erwartete Aufschwung aus, und es gedieh keine von peiden Städten, weder die alte noch die neue. So war man denn froh, als im Jahre 1248 der Landesherr, Fürst Nikolaus, die Erlaubnis erteilte die Neu- stadt wieder aufzugeben. Man solle, so heilst es in der betreffenden Urkunde, ihre Häuser ganz einreilsen und erst die Altstadt mit ordentlichen Gebäuden anfüllen.— Schlielfslich sei noch erwähnt, dafs wir auch von einigen Stadtgründungen hören, die aus gewissen Gründen nie über das Stadium des Projekts hinausgekommen sind. Im Jahre 1242 z. B. unterhandelten die Lübecker längere Zeit mit dem deutschen Orden wegen einer Stadt, die im Samlande unweit der Gegend, wo später(seit 1255) Königsberg lag, von ihnen angelegt und vom Orden mit besonderen Privilegien begabt werden sollte. Als die Lübecker ausblieben, nabm der Orden nach einigen Jahren alle seine Versprechungen wieder zurück.
Ihren Namen entlehnten die neuen deutschen Städte zu aller- meist den slavischen oder sonstigen Ortschaften, an die sie sich an- lehnten, indem sie teils die ursprüngliche Gestalt des Namens bei- behielten, teils eine ähnliche, aber für Deutsche bequemere Form dafür einsetzten. Als Beispiel diene Rostock. Das slavische Wort rostoki oder roztoky— so heilſsen noch heute einige Dörfer in Böhmen und der Bukowina— bedeutet„Verbreiterung eines Wasser- laufs“ und pafste demnach sehr gut für den altslavischen Markt- flecken, der einst gegenüber dem heutigen Rostock an der Stelle lag, wo der breite Unterlauf der Warnow beginnt. Als die deutsche Stadt angelegt wurde, beanspruchte sie den Namen für sich, und die slavische Niederlassung hiefs seitdem nur noch„das alte Wiek“ d. h. der alte Ort, bis sie 100 Jahre später von Rostock angekauft 2 ½
2


