Aufsatz 
Die Gründung der nordostdeutschen Kolonialstädte und ihre Entwicklung bis zum Ende des 13. Jahrhunderts
Entstehung
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Hatte sich ein Landesherr entschlossen eine Stadt nach deutschem Rechte anzulegen, so kam es zunächst darauf an, einen dafür ge- eigneten Platz auszusuchen. Bei dieser Wahl gaben nach dem, was soeben bemerkt wurde, hauptsächlich militärische und merkantile Erwägungen den Ausschlag. Am vorteilhaftesten war es für die künktige Stadt, wenn man eine Stelle fand, die in beiden Beziehungen günstig lag; doch muſste man sich im Drange des Augenblicks oft auch daran genügen lassen, wenn sie wenigstens den für die nächste Zeit wichtigsten Anforderungen entsprach. Eine hinreichende Bürg- schaft für die gedeihliche Entwickelung der Stadt schien ganz be- sonders in dem Falle gegeben, daſs der gewählte Platz einerseits genügende Sicherheit gegen feindliche Angriffe und gegen ÜUber- schwemmungen bot und anqdererseits die Verkehrswege nach zwei oder mehr Richtungen hin beherrschte. Darum wählte man gern einen Isthmus zwischen zwei Seen vergl. Waren in Mecklenburg, Lyck in Ostpreufsen oder umgekehrt eine Meerenge Memel, Stralsund einen trockenen Ubergang zwischen See und Sumpf Neubrandenburg die Ränder von Höhenzügen, die zu breiten Fluſsthälern oder Küstenebenen abfallen Kulm, Marienwerder, Marienburg, Elbing und viele Städte auf dem Nord- und Südrande des Lausitzer Grenzwalls und des Flämings die Pässe in sumpfigen, schwer zu überschreitenden Thälern, wo an beiden Seiten das trockene Land nahe an den Fluls herantritt und so einen bequemen UÜbergang schafft Berlin, Köpenick, Fürstenwalde, Frankfurt a. O., Crossen, Posen, Thorn belebte Rastorte an alten Handelsstralsen, namentlich da, wo diese eine Brücke zu passieren hatten oder andere Strafsen kreuzten Görlitz und endlich die Mündungen der grölseren Flüsse. Bezüglich der letzteren ist zu bemerken, dals man aus guten Gründen nicht gerade die unmittelbare Nähe des Meeres auf- suchte, sondern vielmehr den Punkt, an dem der Fluſs noch ohne grolse Mühe überschritten werden konnte und man zugleich vor Wassersgefahr und Seeräubern geborgen war. Als bezeichnende Bei- spiele seien genannt Lübeck, Rostock, Stettin, Königsberg und Riga. Einige wenige Orte empfahlen sich durch wertvolle Bodenschätze, die sich in ihrer Nähe fanden, wie Freiberg in Sachsen, wo man ums Jahr 1160 Silber entdeckte, und Goldberg in Schlesien, bei welchem Gold gegraben wurde; im eigentlichen Tieflande haben die geologischen Verhältnisse sehr wenig Einfluſs auf die Städtebildung geübt. Durchweg gemieden sehen wir darin diejenigen Stellen, an