8 gröſseren Freiheit erfreute. Denn er bildete mit seinen Nachbarn eine freie bäuerliche Gemeinde, genofs persönliche Unabhängigkeit und durfte fast ganz selbständig über seine— übrigens sehr reichlich, auf 60— 200 Morgen, bemessene— Hufe verfügen, sie namentlich auch frei vererben.
Dem Bauern und dem Ritter folgte auf ihrer Wanderung nach dem Slavenlande bald auch mancher deutsche Bürger. Seit Handel und Gewerbe vom Beginn des 11. Jahrhunderts ab so mächtig auf- geblüht waren, hatte sich Deutschland binnen weniger Generationen mit einer Menge von Städten angefüllt, und die Unternehmungs- lust des jungen Bürgerstandes griff frühe schon kecken Mutes auch über die neu erschlossene Ostgrenze hinüber. Dort winkte ihr um so reicherer Gewinn, als das Wendenland wirtschaftlich sehr zurück- geblieben war und die Erwerbstände des Kaufmanns und Handwerkers kaum kannte. UÜber die Art, wie in ihm deutsche Städte erwuchsen, werden die folgenden Abschnitte ausführlicher zu berichten haben.
Die rasche und durchgreifende Besiedelung des Ostens ist jedoch, wie bereits angedeutet wurde, keineswegs einzig und allein das Ver- dienst der Laien. Sie mülste nicht in das Mittelalter fallen, wenn nicht auch die Kirche erheblich dabei mitgewirkt haben sollte. Sie hat in der That eine hervorragende Rolle dabei gespielt und zwar zunächst durch die Orden der Prämonstratenser und Cistercienser. Die letzteren dürfen allem Anscheine nach den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, vom Kloster Leubus aus zuerst den Strom der deutschen Auswanderung nach Schlesien gelenkt zu haben. Dort, wie in der Mark, in Mecklenburg und Polen besetzten sie grolse Landstriche, die ihnen deutsche oder slavische Fürsten geschenkweise überlassen hatten, mit deutschen Bauern; sie pflegten schon sehr früh als tapfere Pioniere unseres Volkstums deutsches Recht und deutsche Sitte im fremden Lande und nahmen, mit geringen Aus- nahmen, grundsätzlich nur deutsche Landsleute in ihre Konvente auf. Aber weit Grölseres noch leistete der Orden der Deutschritter, der das Land der wilden Preufsen eroberte und gründlich kolonisierte. Kleinere Gebiete, z. B. in der Neumark, verdankten ihre Kultur den beiden anderen geistlichen Ritterorden, den Johannitern und Templern. Auch jene Päpste sind nicht zu vergessen, Innocenz III., Honorius III., Gregor IX. und viele andere, die immer und immer wieder die Bewohner des deutschen Mutterlandes dazu aufrufen lielsen, das


