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Karolinger ungeheure Räume bedeckt hatten, in fortwährend steigendem Malse gerodet und zur Anlage neuer Höfe und Dörfer in Anspruch genommen worden. Allmählich gingen die Preise des Grund und Bodens sehr in die Höhe und der Platz für neue Nieder- lassungen begann endlich knapp zu werden; steht es doch fest, dals im 13. Jahrhundert die Zahl der Dörfer in Deutschland schon fast ebenso grols war wie heute! Kein Wunder daher, dals nun viele von denen, die in der Heimat keinen eigenen Grundbesitz mehr er- werben konnten, insbesondere die jüngeren, nach damaligem Rechte vom Erbe der Hufen ausgeschlossenen Bauernsöhne, erwartungsvoll ihre Blicke nach dem Osten richteten. Anderen wieder legten widrige Naturereignisse, wie Sturmflut, Deichbruch und Mifsernten, den Ge- danken nahe die Heimat zu verlassen. In gleicher Lage wie die nachgeborenen Bauernsöhne befanden sich vielfach die jüngeren Spröſslinge des Adels, namentlich die ritterlichen Dienstmannen oder Ministerialen. Sie ergriffen freudig die willkommene Gelegenheit, im Osten groſsen Landbesitz zu gewinnen— in Preuſsen wurden beim Beginne der Kolonisation wiederholt einzelnen Edelleuten mehr als 100 Hufen zugewiesen— und sich zugleich damit eine bedeutende, angesehene Stellung zu verschaffen. Sie sowohl wie ihre bäuerlichen Genossen fanden im Wenden- oder Preuſsenlande einen weiten Spielraum zur Bethätigung ihrer Kraft. Dort gab es guten Boden in Hülle und Fülle, und dort winkte dem rüstigen Arm und dem wagenden Mute ein grolses Feld frucht- bringender Arbeit. Denn das ganze groſse Gebiet, schon von jeher dünn bevölkert, war in jener Zeit noch bedeutend menschenärmer geworden und auf weite Strecken nahezu verödet. Die Schuld daran trugen teils die vernichtenden Kämpfe zwischen Deutschen und Eingeborenen, teils wilde innere Kriege, wie sie z. B. im 12. Jahrhundert zwischen den stammverwandten Polen und Pommern wüteten, teils endlich die schrecklichen Verwüstungen, die äufsere Feinde, z. B. die Mongolen 1241 bei ihrem Einfall in Schlesien, anrichteten. Um dem Menschenmangel abzuhelfen und um sich selbst gleichzeitig zu schützen, mulsten daher die deutschen Pr- oberer ihre Landsleute aus dem Westen herbeirufen. In welcher Weise dies geschah, erkennen wir unter anderem aus der Botschaft, die um das Jahr 1140 Graf Adolf II. von Holstein in der Heimat verbreiten liels, als er das im Krieg entvölkerte Land Wagrien neu besiedeln wollte.„Da sandte er“, erzählt uns der Chronist Helmold,


