Aufsatz 
Darstellung und Erklärung der inneren Einrichtung der höheren Gewerbschule / J. Hehl
Entstehung
Einzelbild herunterladen

91

Die eine Richtung hat zum Endreſultat die Kenntniſſe, das Durchdringen der Wiſſenſchaften und das Befolgen der dahin zielenden Anordnungen der Schule, was zugleich unter⸗ ſtützend für die zweite Richtung betrachtet wird.

Nach der zweiten Richtung ſoll ſich auf der Schule das wirklich Menſchliche ausbilden. Der junge Mann ſoll ſich in der Selbſtbeherrſchung üben, und ſich eine innere Freiheit er kämpfen, die viel höher, als eine äußere ſteht. Einem jungen Manne iſt dieſe Aufgabe ſchwer zu löſen, und dieſe Möglich⸗ keit iſt ihm nur geboten durch den Gehorſam und das unbe⸗ dingte Unterordnen ſeines Willens unter Vorſchriften, gleich viel, ob dieſe eine Schule oder er ſelbſt ſich ertheilt. Die Schule ertheilt dieſe Vorſchriften, um jeden Schüler auf die Punkte aufmerkſam zu machen, wo er bei ſeiner inneren Bil⸗ dung, wenn er auch den tieferen Grund noch nicht erfaßt haben ſollte, hinarbeiten muß, und der Schüler ertheilt ſich dieſelben Vorſchriften, wenn er hinreichende Intelligenz beſitzt und die Folgen für ſein künftiges Leben im Fall der Nicht⸗ befolgung überblickt. Sowie aber der junge Mann ſtreben ſoll, durch genaue Selbſtbeobachtung Herr über ſich zu werden, ſo ſoll er auch im Betragen gegen Andere ſich auszeichnen. Ein beſcheidenes, ruhiges und zuvorkommendes Benehmen gegen Jedermann iſt ihm daher durch die Geſetze vorgeſchrieben, und Vergehen der Art werden im höchſten Grade mißfällig aufge⸗ nommen und erforderlichen Falles mit Ausweiſung beſtraft.

Aus dieſem Geſichtspunkte müſſen die Geſetze für die Schüler der höheren Gewerbſchule betrachtet werden, und nicht aus dem, als wenn man den jungen Leuten Freiheiten nehmen wollte, die an ſich für an Jahren vorgerückte Menſchen ganz unſchul⸗ diger Natur ſind. Man will die Schüler geiſtig und körper⸗ lich ſtärken, und auf einen Punkt freiwilliger Entſagung