Aufsatz 
Über Konzentration des Unterrichts
Entstehung
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Unter den botanischen Exkursionen, die Herr Professor Dr. Ledroit im Laufe des Sommers mit unseren Seminaristinnen unternahm, war die vom 28. Juni besonders lehrreich. Sie galt unseren städtischen Anlagen, in denen Herr Gartendirektor Schröder die jungen Damen auf die bemerkenswertesten Pflanzen und deren Lebensbedingungen aufmerksam zu machen die Güte hatte. Wir verfehlen nicht, bei dieser Gelegenheit dem geehrten Herrn unsern besten Dank auszusprechen.

Am 16. Juni nahm der Unterzeichnete an einer Konferenz der Ministerialabteilung für Schul- angelegenheiten mit den Vorsitzenden der Kuratorien und den Direktoren der Höheren Mädchenschulen des Landes teil.

Vom 11. Juli bis zum Schlusse des Sommerhalbjahres wohnte Fräulein Sophie Cahn, eine frühere Schülerin der Anstalt, in einigen Klassen als Hospitantin dem Unterrichte bei.

Mit Beginn des Winterhalbjahrs schied Fräulein Bertha Bernhard infolge ihrer Verheiratung aus unsrem Lehrkörper aus. Für die treuen, erspriesslichen Dienste, die sie der Anstalt während einer mehr als zehnjährigen Wirksamkeit an ihr geleistet, wird diese ihr stets zu Dank verpflichtet bleiben. Ersetzt wurde die Lehrerin durch die Schulverwalterin Fräulein Johanna Sichel.

Johanna Sichel, geboren am 5. April 1879 zu Mainz, besuchte von Ostern 1885 bis Herbst 1889 das

Institut von Fräulein Klein, um dann, nach der Gründung der Höheren Mädchenschule, in dieser ihre Schulbildung

zu vervollständigen. Von Juni 1895 an bereitete sie sich im Grossherzoglichen Lehrerinnen-Seminar zu Darmstadt

für ihren zukünftigen Beruf vor und bestand Ostern 1897 die vorgeschriebene Entlassungsprüfung. Ein Jahr lang

suchte sie sich hierauf als Hospitantin an der Mainzer Höheren Mädchenschule praktisch weiterzubilden und ging

dann zwei Jahre lang nach England, um sich in der Sprache dieses Landes noch mehr auszubilden. Nach ihrer

Rückkehr war sie im Geschäfte ihres Bruders tätig, bis ihr durch ministerielle Verfügung vom 1. Oktober 1902 die Verwaltung einer Lehrerinnenstelle an der hiesigen Höheren Mädchenschule übertragen wurde.

Am 18., 27. und 28. Oktober musste der Unterricht wegen Scharlach- bezw. Masernerkrankung

der Kinder des Schuldieners ausgesetzt werden. Das ganze Schulhaus wurde einer gründlichen Reinigung,

die Schuldienerwohnung ausserdem noch einer ausgiebigen Desinfizierung unterworfen.

Auch in diesem Jahre hatte der Lektor der Landesuniversität, Herr Goetschy, wiederum die Liebenswürdigkeit, die Schülerinnen des Seminars und der oberen Schulklassen mit seinen deklamatorischen Darbietungen zu erfreuen. Am 11. November trug er ihnen eine von uns zusammengestellte Auswahl französischer Gedichte und Prosastücke vor. Der Beifall der dankbaren Zuhörerschaft am Schlusse der Veranstaltung bewies wohl am besten, wie sehr es dem geehrten Herrn gelungen war, durch den Wohl- klang seiner schönen Muttersprache die Anwesenden zu fesseln.

Am 25. November, dem Geburtstage unsres geliebten Landesherrn, machte Herr Oberlehrer Dr. BüttnerDas Wesen der Vaterlandsliebe zum Gegenstande seiner Festrede; einige Schülerinnen trugen Gedichte vor, und Gesänge umrahmten die ganze Feier. Schülerinnen der Ober- und Nittel- klassen brachten dann am 27. Januar das FestspielFrühling im Winter von Johanna Siedler zur Auf- führung, um deren Zustandekommen durch Vorbereitung des deklamatorischen Teils Fräulein N. Klein und Fräulein Binder, durch Einübung der Gesänge aber und durch Klavierbegleitung die Herren Kempf und Schader sich in hohem Grade verdient gemacht haben. Die übliche Ansprache fiel im Hinblick auf die Länge des Stücks diesmal weg.

Einen für die Entwicklung unserer Schule hochwichtigen Beschluss fasste die Stadtverordneten- versammlung am 4. Dezember, indem sie sich für den Ankauf des Brecher'schen Instituts entschied. Was sie hierzu bewogen hat, ist seiner Zeit in den Lokalblättern auseinandergesetzt worden, weshalb wir es uns ersparen, hier näher darauf einzugehen. Die nächste Folge dieses Erwerbs wird die Errichtung von acht neuen Parallelklassen und im Zusammenhange damit die Anstellung einer Anzahl neuer Lehrkräfte sein. Soweit es die Räumlichkeiten sowie die Rücksicht auf einen geordneten Unterrichtsbetrieb gestatten, beabsichtigt man die bisherigen Institutsschülerinnen auch fernerhin in der Bauhofstrasse zu belassen; nur die drei obersten Klassen werden, ebenso wie die Selekta, in unsrem Schulgebäude Aufnahme finden.

Am 9. Dezember beehrte Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth das Lehrerinnen-Seminar nebst einigen Schulklassen mit seinem Besuche.