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Im Januar hielt Herr Professor Dr. Detmer aus Jena im Saale der Liedertafel sechs hoch- interessante Vorträge über Bau und Leben der Pflanzen. Der Grossherzoglichen Bürgermeisterei, der Veranstalterin dieser Vorträge, sprechen wir für die unserem Kollegium zur Verfügung gestellten Ein- trittskarten auch an dieser Stelle unsern verbindlichsten Dank aus.
Einer Einladung der Ortsgruppe des Deutschen Flottenvereins folgend, wohnten die Klassen Ia, l ab— 6ab nebst den Seminaristinnen am 30. Januar den von jener veranstalteten kinemato- graphischen Vorführungen bei, die der Unterzeichnete mit einer kurzen Ansprache und einem Hoch auf den erhabenen Protektor des Vereins eröffnete.
Am 1. Februar hatten wir den Tod einer Schülerin der 9. Klasse zu beklagen, der Charlotte Eberle, die wir leider nicht zum Grab geleiten konnten, da die Beerdigung in Karlsruhe stattfand.
Die mündliche Entlassungsprüfung unserer Seminaristinnen, die erste an der neuen Anstalt, wurde am 21. Februar unter dem Vorsitze des Herrn Ministerialrats Dr. Eisenhuth abgehalten; der Religionsprüfung wohnten auch noch die hochwürdigen Herrn Prälat D. Walz aus Darmstadt und Domkapitular Dr. Selbst von hier bei; ausserdem beehrten die Mitglieder des Kuratoriums bei dieser Gelegenheit uns mit ihrer Gegenwart. Bereits vorher, vom 2.— 5. Februar, waren die schriftlichen Arbeiten*) angefertigt worden, für welche die Schulabteilung des Grossherzoglichen Ministeriums die Themen gestellt hatte, und am 14. Februar hatte die Turn- und Zeichenprüfung stattgefunden. Den Nachweis ihrer praktischen Ausbildung lieferte jede Seminaristin im Anschluss an die mündliche Prüfung in einer besonderen Probelektion im Beisein der Prüfungskommission**) sowie der Mitglieder des Kura- toriums. Sämtliche Schülerinnen der ersten Seminarklasse, sechs an der Zahl, haben die Prüfung bestanden, und zwar
1 mit der Note„sehr gut“, 4 mit der Note„gut“, 1 mit der Note„genügend“.
Das ihnen ausgestellte Zeugnis berechtigt nicht nur in Hessen, sondern auch in Preussen zur Anstellung im höheren Mädchenschuldienst. Wir hoffen, das Ergebnis der Prüfung, mit der die junge Anstalt zum erstenmal eine Probe ihrer Leistungsfähigkeit abgelegt hat, werde auch auf ihren Besuch vorteilhaft einwirken.
Auch in diesem Jahre haben wir wieder eine Reihe von Gaben zu verzeichnen, mit denen Freunde und Wohltäter der Schule uns erfreut haben. Wir erwähnen nur die Geldspende im Betrage von 200 M., die wir auch diesmal wieder zu Gunsten unbemittelter Schülerinnen von der hiesigen Loge„Die Freunde zur Eintracht“ entgegennehmen durften, sowie 10 kunstgeschichtliche Bilder aus Seemanns Verlag, womit die abgegangenen Seminaristinnen ein jederzeit in die Augen fallendes Zeichen der Erinnerung an sie hinterlassen haben. Diesen sowie allen übrigen gütigen Gebern und Geberinnen, die aufzuzählen uns diesmal leider der Mangel an Raum verbietet, sprechen wir hiermit namens der Schule unsern wärmsten Dank aus.
Um die verehrten Eltern mit den wichtigsten Bestimmungen unsrer in früheren Jahresberichten bereits veröffentlichten Hausordnung bekannt zu machen, beabsichtigen wir, dieselben diesmal auf einem Sonderabdrucke zusammenzustellen und diesen mit Beginn des nächsten Schuljahres den Kindern behufs Mitteilung an ihre Eltern einzuhändigen. Wir bitten um gefällige Beachtung dieser Bestimmungen, deren Zweck es ist, die Beziehungen zwischen Elternhaus und Schule zu regeln.
Am 28. März findet der Schluss des Schuljahres statt.
*) Deutscher Aufsatz— je eine UÜbersetzung aus dem Deutschen ins Französische und ins Englische— Beantwortung von Fragen aus dem Gebiete der Geschichte, der Geographie und der Naturwissenschaft— Lösung einiger Rechenaufgaben.
**) Ausser dem Herrn Regierungskommissär als Vorsitzenden besteht die Prüfungskommission aus dem Direktor und
denjenigen ordentlichen Lehrern, welche in der ersten Seminarklasse in den Gegenständen unterrichten, über die sich die Prüfung erstreckt.


