II. Schulnachrichten.
1. Ruratorium.
1. Oberbürgermeister Dr. H. Gassner, Vorsitzender. 2. Geh. Kommerzienrat St. K. Michel.
3. Geh. Oberschulrat G. Weihrich.
4. Professor J. Schlenger.
5. Dr. E. David.
6. Kaufmann N. Ph. Reis.
7. Professor Dr. F. Roemheld, Direktor.
Sitzungen fanden statt:
1. Am 3. Juni 1902. 2.„ 28. Juli— 3.„ 9. Oktober„ 4.„ 1. Dezember„ 5.„ 6. Dezember„ 6.„ 16. Januar 1903. 7.„ 31. Januar„ 8.„ 28. Februar„
2. Zur Geschiehte der Sehule.
Das abgelaufene Schuljahr, am 7. April mit einer allgemeinen Konferenz eröffnet, hat unserem Seminar die oberste Klasse gebracht. Im engsten Zusammenhange damit standen die Pensionierung zweier Lehrerinnen und die Berufung jüngerer Lehrkräfte an deren Stelle. Am 5. April wurden Fräulein Katharina Gülcher und Fräulein Auguste von Cordier unter Anerkennung ihrer treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 7. April, in den Ruhestand versetzt, nachdem erstere seit dem 30. September 1889, letztere seit dem 5. Januar 1892 im Dienste der Anstalt tätig war. Durch gewissen- hafte Pflichterfüllung und liebevolle Hingabe an die ihnen anvertraute Jugend haben beide Damen in hohem Grade den Dank der Schule sich zu verdienen verstanden; als liebenswürdigen Kolleginnen werden auch ihre Berufsgenossen und-genossinnen ihnen stets ein freundliches Andenken bewahren.
Durch Ministerialverfügung vom 1. April 1902 wurde Fräulein Marie Seyd mit der provi- sorischen Verwaltung der einen der freigewordenen Stellen betraut.
Marie Seyd, geboren zu Erbach i. O. am 2. August 1871, besuchte zuerst die Höhere Mädchenschule zu Bensheim und dann noch ein Jahr lang die erste Klasse der Viktoriaschule in Darmstadt. Von Pfingsten 1895 bis Herbst 1898 gehörte sie der Königlichen Zeichenakademie zu Hanau als Schülerin an, worauf sie in Darmstadt längere Zeit im Atelier des Malers Bader arbeitete und nebenher als Hospitantin an einigen Vortrags- und UÜbungs- kursen an der Technischen Hochschule teilnahm. Ostern 1901 trat sie in den„Vorbereitungskursus für die staat- liche Prüfung für Zeichenlehrer und Jehrerinnen für höhere Schulen“ an der Kunstgewerbeschule zu Kassel ein und bestand jene Prüfung im Juni desselben Jahres. Zwischen Pfingsten und Herbst 1900 hatte sie die Zeichen- lehrerin an der Höheren Mädchenschule in Giessen au vertreten.
Die andere Stelle wurde am 8. April 1902 mit der Schulverwalterin Fräulein Antonie Litzen- dorff besetzt.
Antonie Litzendorff, geboren zu Mainz am 2. Januar 1880, trat nach zurückgelegtem sechsten Lebens- jahr zuerst in das hiesige Institut der Englischen Fräulein ein; nach Eröffnung der Höheren Mädchenschule jedoch durchlief sie von der 7. Klasse an diese Anstalt und gehörte dann noch ein Jahr lang der mit ihr verbundenen untersten Seminarklasse an. Ostern 1897 wurde sie in die erste Klasse des damals nur zwei Jahreskurse umfassen- den Darmstädter Lehrerinnen-Seminars aufgenommen und bestand dort Ostern 1898 die Prüfung der Anwärterinnen


