Aufsatz 
Über Konzentration des Unterrichts
Entstehung
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nur in den Vorschulklassen und auf den Unterstufen unserer höheren Unterrichtsanstalten durchführen. Wo sich der Anwendung des Klassensystems Hindernisse in den Weg stellen, die das Fachlehrersystem nötig machen, suche man dieses so viel als möglich zu beschränken, indem man die verwandten Fächer möglichst in der Hand eines Lehrers vereinigt. Sollen in Schulklassen mit Fachsystem die Gedanken- massen in den Köpfen der Schüler nicht isoliert neben einander bestehen, so muss strengste Harmonie unter den Fachlehrern herrschen, sie müssen alle in einem Geiste und nach einem Ziele zusammenwirken. Besonders müssen die Klassenführer mit den Fachlehrern Hand in Hand gehen. Jeder Fachlehrer muss mit allen Disciplinen, in denen an seiner Schule unterrichtet wird, so vertraut sein, dass er imstande ist, geistige Brücken zwischen den einzelnen Lernzweigen zu schlagen. Ein solches gedeihliches Zusammen- wirken lässt sich nur ermöglichen, wenn für die Schule ein bis ins einzelne geordneter Lehrplan vor- liegt, und wenn ausserdem durch gemeinsame Beratungen dessen Ausführung nach Methode und Stoff- verteilung bestimmt festgesetzt wird.

Der erziehende Unterricht macht nicht etwa die wissenschaftliche Tätigkeit der Lehrer entbehrlich, denn ohne dass man ein Fach wissenschaftlich beherrscht, ist es unmöglich, eine verständige Auswahl unter seinen Bildungsstoffen zu treffen, und ohne dass die praktische Tätigkeit befruchtende An- regung von der Wissenschaft empfängt, läuft sie Gefahr, ins Handwerksmässige auszuarten. Zudem muss der Lehrer immer aus dem Vollen schöpfen. Auf der andern Seite muss er aber seinen Unter- richt dem Verlauf des Lernprozesses gemäss einrichten und verstehen, die Seele des Kindes zum Mittel- punkte der Unterrichtsarbeit zu machen. Daher ist für ihn das Studium der psychologischen Gesetze und der darauf ruhenden didaktischen Regeln unerlässlich.

Nur dann, wenn bei der Aufstellung der Lehrpläne möglichst darauf geachtet wird, dass den einzelnen Klassen solche Stoffe zugeteilt werden, welche eine Verschmelzung oder mindestens doch eine grössere Befreundung der in den einzelnen Fächern erworbenen Kenntnisse ermöglichen, wenn ferner beim Unterrichte das bunte Stoffdurcheinander nach Kräften vermieden sowie jeder Verwirrung der Vor- stellungsfäden und damit jeder Störung der erziehlichen Stimmung vorgebeugt wird, kann die Verarbeitung der Unterrichtsstoffe zu wahren Bildungsstoffen ungehindert von statten gehen. Lehren und Lernen müssen ein einheitliches, dem Erziehungszwecke entsprechendes Gepräge tragen; der Ausbau des kind- lichen Gedankenkreises muss sich planmässig so vollziehen, dass alle neu in die Seele tretenden Vor- stellungen sich an die bereits vorhandenen ohne künstliche Bindemittel anlegen und mit ihnen zu einem festen Bau zusammenschliessen können. Es soll damit nicht etwa gesagt sein, dass jeder einzelne Lehr- stoff nicht auch eine seiner Natur gemässe besondere Aufgabe zu erfüllen habe; aber gerade dieser kann er nur dadurch gerecht werden, dass er als wesentliches, untrennbares Glied sich dem Vorstellungs- gewebe einfügt und mit ihm eine organische Einheit bildet. Nur unter steter Anlehnung an den vorher, nebenher und nachher gebotenen Unterrichtsstoff gewinnt neuer Lern- erwerb erst seine wirkliche Bedeutung im Rahmen des Wissenskreises.

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