Aufsatz 
Über Konzentration des Unterrichts
Entstehung
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Unterrichte, dass er nur wirklich nützliche Dinge auf tiefer und fester Grundlage lehre, dass Späteres sich auf Früheres stütze und alles, was mit einander im Zusammenhang stehe, beständig verknüpft werde. Lessing meint,man müsse die Schüler immer aus einer Scienz in die andere blicken lassen. Diesterweg fordert, dass sachlich verwandte Gegenstände mit einander verbunden werden. Allgemein bekannt ist, dass die Lehre von der Konzentration eine Grundforderung der auf Herbart sich stützen- den Pädagogik bildet. Geheimrat Dr. Wiese sagt:Bei der Mannigfaltigkeit des Lehr- und Lektions- planes steht häufig jeder und jedes isoliert; man arbeitet sich nicht in die Hände und weiss sich nicht unterzuordnen. Dadurch, dass man den Lehr- und Lektionsplan nicht genug gegen die Richtung ins Encyklopädische gewahrt hat, geht einerseits der Jugend früh die natürliche Einfachheit und der Zu- sammenhang der Vorstellungen verloren, mehr aber noch die Fähigkeit, recht aufzumerken, weil zu viel in sie hineingeredet wird und damit der Kopf verwirrt, das Ohr betäubt und der Fleiss genötigt wird, mehr in die Breite als in die Tiefe zu gehen. Wir beschäftigen die Zöglinge in kürzeren Zeiträumen hintereinander mit den verschiedensten, oft wie vom Zufall nebeneinander gewürfelten Gegenständen, so dass die Mehrzahl der Schüler mit ihren Geisteskräften diesem schnellen und häufigen Wechsel ganz unverbundener Dinge unmöglich gewachsen sein kann.

Die richtige Erkenntnis, dass durch die Mannigfaltigkeit der Unterrichtsstoffe die einheitliche Entwickelung des kindlichen Geistes gefährdet werde, hat im Laufe der Zeiten zu dem Bestreben geführt, die Zahl der gleichzeitig betriebenen Unterrichtsfächer zu beschränken. Sogar schon im Altertum stritt man sich darüber, ob der Schüler in einer bestimmten Lernzeit nur ein Fach oder mehrere neben- einander betreiben solle. Das Richtige hat bereits der Römer Quintilian erkannt, wenn er sagt, dass der Mensch und besonders das Kind den Trieb zu allseitiger Betätigung seiner Kräfte hat, und dass daher die mannigfaltigen Grundformen menschlicher Tätigkeit beständig nebeneinander hergehen. Denn tatsächlich erzielen wir am leichtesten ein vielseitiges Interesse der Kinder, wenn wir für eine entsprechende Mannigfaltigkeit der Lehrfächer und Lehrstoffe sorgen und nicht etwa manche Seiten des kindlichen Wesens hemmen. Dadurch setzen wir die Schule zugleich mit dem Leben und mit der Kultur in Einklang.

Insofern, als es sich bei der Konzentration wesentlich um die Verknüpfung inhaltlich verwandter Stoffe handelt, besteht ein Zusammenhang zwischen ihr und der Apperception, Association und immanenten Repetition. Während man aber unter Apperception die Seelentätigkeit versteht, bei welcher aufzunehmende neue Vorstellungen mit aufnehmenden älteren verschmolzen werden; während ferner Association diejenige Stufe der Lehrtätigkeit innerhalb einer Lektion ist, auf welcher das dar- gebotene Neue mit innerlich verwandtem oder sonstwie mit ihm zusammenhängenden Alteren zum Zwecke der Aussonderung des Allgemeingiltigen, Wesentlichen, Begrifflichen verglichen und verknüpft wird; während endlich die immanente Repetition in der absichtslos auf allen formalen Stufen sich vollziehen- den Wiederholung besteht, verlangt allen jenen Vorgängen gegenüber die Konzentration ein Zusammen- legen der Stoffe verschiedener Unterrichtsfächer. Daher betrifft ihre Durchführung weniger die Gestaltung der einzelnen Lektionen als die Anlage des Lehrplanes, dessen Hauptaufgabe bekanntlich die Stoffauswahl, Stoffanordnung und Stoffverbindung im allgemeinen ist. Sollen sich dem Unterrichte immer die geeigneten Associationsstoffe darbieten, so muss die Bearbeitung des Lehrplanes unter steter Rück- sichtnahme auf das Prinzip der Konzentration erfolgen.

Erst durch planmässige Verschmelzung des Unterrichtsstoffes wird der Erfolg der Gesamt- Lernarbeit der Schule gesichert. Ohne sie ist ganz abgesehen davon, dass die Apperception des Neuen nicht oder nur unvollkommen gelingen kann das Behalten des Wissenswerten in Frage gestellt, da den einzelnen Vorstellungen die nötigen Stützpunkte im Geiste des Schülers fehlen. Die neuen Ver- bindungen, in welchen beim konzentrierenden Verfahren bereits Erlerntes auftritt, wirken ungleich reiz- voller und fesselnder auf die Kindesseele als das eintönige Wiederholen des Unterrichtsstoffes, das sich oft trotz besten Willens des Lehrers langweilig gestaltet. Damit soll freilich der Wert regelmässig stattfindender Wiederholungen als wesentlicher Mittel zur Verknüpfung und Befestigung durchgearbeiteter Stoffe nicht verkannt werden. Allein nur durch Bezugnahme der erlernten Wissensstoffe und Fertigkeiten auf einander ist es möglich, dem Schüler zum Bewusstsein zu bringen, warum er dieses oder jenes lernen