„Alles muss ineinander greifen,
Eins durchs andere gedeihen und reifen.“
Novalis.
Das Wort„Konzentration“ bedeutet, etymologisch betrachtet, Vereinigung, Verdichtung, Zusammen- drängung auf einen Punkt. Es ist naheliegend, als den Mittelpunkt, nach welchem hin die Verdichtung stattzufinden hat, sich ein Unterrichtsfach zu denken und um dieses alle anderen Lehrfächer peripherisch herumzulagern. Ein sogenanntes Zentralfach, in welchem die Fäden aller Unterrichtsgegenstände zusammen- laufen würden, ähnlich dem von der Herbart-Zillerschen Schule aufgestellten Gesinnungsstoffe, kann es aber bei der Verschiedenartigkeit der Lehrfächer nicht geben. Nur lassen sich inhaltlich verwandte Lehrgegenstände zu Unterrichtskreisen zusammenschliessen. Man kann auch nicht allerlei auf einmal lehren, sondern muss jedes Erkenntnisgebiet, da es wegen seines eigentümlichen Bildungsvermögens seine besondere Aufgabe in der Ausbildung des Schülers hat, selbständig behandeln. Wohl aber soll man Verwandtes verbinden und ein Fach durch ein anderes stützen. Zu diesem Zwecke ist ein Mittel- punkt vor Augen zu halten, auf welchen alle Unterrichtstätigkeiten abzielen; als solcher,„um den sich alles dreht“, kann aber aus psychologisch-pädagogischen Gründen nur der Geist des zu unterrichten- den Kindes auftreten. Dies vorausgesetzt, erblicken wir nun das Wesen der Konzentration darin, dass die Lehrgegenstände mit Rücksicht auf ihren Inhalt in eine solche Beziehung zu einander treten, dass die durch sie vermittelte Bildung ein einheitliches Gepräge erhält.
Die auf einheitliche Wirkung des Unterrichtes abzielenden Bemühungen haben mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, welche in erster Linie aus der Menge und der Verschieden- heit der Unterrichtsfächer erwachsen. Da diese fast nach jeder Lehrstunde wechseln, so finden, falls nicht eine Verbindung durch den einheitlichen Geist eines Lehrers hergestellt wird, die in der einen Stunde gewonnenen Vorstellungen in der andern keine Verknüpfung, Klärung und Befestigung, sondern die neu zuströmenden Vorstellungen schwächen und verdunkeln die alten. Das blosse Lernen, insofern es nur in der Aneignung von Kenntnissen und Fertigkeiten besteht, kann nicht befruchtend in die Tiefe des menschlichen Wesens dringen, sondern bleibt äusserlich im Gedächtnisse haften und lässt Verstand und Herz kalt und leer. In dem Erwerb von Wissensstoffen darf daher nie der Endzweck der Lernarbeit bestehen. Nicht in dem gedächtnismässigen Besitze, sondern in der mit Rücksicht auf die geistige Entwickelungsstufe des Lernenden vollzogenen Umbildung der Lernstoffe sowie in ihrer naturgemässen Einfügung in den bereits vorhandenen Vorstellungskreis liegt die wahre Bildung begründet. Nicht für die Schule, sondern für das Leben, nicht für den Kopf, sondern für das Herz lernen wir. Solange die Lernstoffe nicht mit dem ganzen Wesen und Leben des Lernenden verwachsen, sind sie keine wahren Bildungsstoffe. Nur von der rechten Verknüpfung des Lehrstoffes der verschiedenen Unterrichtsfächer hängt die Erzeugung eines einheitlichen Gedankenkreises ab, welcher zur Bildung des Charakters notwendig ist.
Bedeutende Männer haben darum zu allen Zeiten erkannt und betont, wie wichtig die innere Einheit der Lernstoffe für das Gedeihen der Schularbeit ist. Comenius verlangt von einem gediegenen


