Aufsatz 
Das Verhältnis von Goethes "Romeo und Julia" zu Shakespeares gleichnamiger Tragödie / von G. R. Hauschild
Entstehung
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Erwaͤgungen hervor: J. wird Thränen der Sehnsucht nach R. und nach der Lebensgemeinschaft

mit ihm auch dann noch vergießen, wenn die Thränen der Trauer ihrer Eltern um Tybalt längst vertrocknet sind und warum? weil und wenn R. noch verbannt ist! Der Gedanke daran tritt aus Schlegels Worten gar nicht, und nur nach Umwegen, hervor. Darum ging G, vielleicht auch hier durch W und die beiden E veranlaßt(meine sollen über Romeos Verbannung fließen), auf Sh zurück und übersetzte:. Mit Thränen*ehren sie den werten Mann*; Die meinen spar' ich auf au Romeos Bann.

Das Zurückgehen auf den Urtext zeigt sich selbst in scheinbaren Kleinigkeiten, so in Sh III, 2, 1676, wo J. zur Wärterin sagt: Take up those cordes, poore ropes you are beguilde. Bei S fand Goethe dafür:

Nimm diese Seile auf. Ach, armer Striek, Getäuscht wie ich! wer bringt ihn uns zurück? Bei W und den beiden E heißt es:Nimm dort die Strickleiter auf Arme Stricke! ihr seid verrathen. Bei S ist nicht deutlich, auf wen sichihn bezieht, und wenn man es auf R. bezog, konnte man dann beiStrick nicht erst recht an eine Bezeichnung für R. denken, wie sie sich auch heute noch inloser Strick u. dgl. für junge Männer findet? Um keine Unklarheit über die beiden Beziehungen aufkommen zu lassen, geht G deshalb auf Sh zurück, und übersetzt nun, aus beiden Vorlagen das Passendste deuutzend: Nimm diese Leiter auf Ihr armen Strieke, Getäuscht wie ich, wer bringt ihn uns zurücke?

In Sh III, 2, 1685 sagt die Wärterin zum Trost für J. in bezug auf den nach dem Zweikampfe mit Tybalt fortgelaufenen R.: he is hid at Lawrence Cell. Trotzdem gleich danach bei S wie bei Sh nicht bei G Lorenzo am Anfang der dritten Szene zu R. sagt: Komm, Romeo! hervor, du Mann der Furcht!, und trotzdem nach der Bühnenanweisung (auch bei S) L. und R. eben erst hereintreten, übersetzt S:beim Pater wartet er. W hatte gegeben:Er ist in Bruder Lorenzos Zelle; bei beiden E heißt es:Er hat sich in Lorenzos Zelle verborgen. G schlägt den Mittelweg ein und übersetzt ganz so, wie diese Wärterin nur sprechen konnte:Er steckt beim Pater, indem er damit die Art des Aufenthalts Romeos dort zwar nur im allgemeinen andeutet, aber doch zugleich etwas Verächtliches in deren Bezeichnung hineinlegt und den Gedanken anversteckt sein wohl aufkommen läßt.

Wohl das Seltsamste ist Schlegeln passiert, als er Sh III, 3, 1746Hang up philosophie! übersetzte durch:Hängt die Philosophie! W hatte:An den Galgen mit Ph!; die beiden E boten:Zum Henker mit der Ph.! G' drückt sich feiner, aber doch idiomatisch ganz ent- sprechend aus:Fort mit Philosophie!

Das Folgende wird jedenfalls als, ein guter Beweis für das Zurückgehen Goethes auf Sh angesehen werden müssen. Der Pater sagt zu Julia auf ihre Klage, daßTrost, Hoffnung, Hilfe hin seien, bei Sh IV, 1, 2204: tt straines me past the compass of ing wits. Bei S las Goethe dafür:Es(dein Leiden) drängt aus allen Sinnen mich heraus. Das mag zwar ganz poetisch klingen, enthält aber doch keine feste Handhabe für das Verständnis dessen, was damit gemeint sein soll. W hatte erklärend gesagt:es ängstigt mich, daß ich kein Mittel kenne dir zu helfen. Die beiden E hatten, etwas mehr auf Sh Rücksicht nehmend, übersetzt:es kränkt mich so sehr, daß ich kaum meiner selbst mehr mächtig bin.

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