Aufsatz 
Das Verhältnis von Goethes "Romeo und Julia" zu Shakespeares gleichnamiger Tragödie / von G. R. Hauschild
Entstehung
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M 1721 ff.

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Sh II, 4 f. erst nachdem Julia zu den beiden in den Klostergarten gekommen ist(Sh II, 6). Das Ende ihres Gesprächs bildet die Goethen(fast ganz) eigne Mahnung Lorenzos:Kommt, reurem Wagstück Segen zu erflehen!* ⁵⁰) Auf die Entschuldigung für sein rasches Eingehen auf den Wunsch Romeos:Ich bin aus*wicht'gem Grund geneigt euch beizustehen; folgen nun mit gutem Grunde die oben behandelten Worte anstatt der in Sh und S:

Ich leide nicht, daß ihr allein mir bleibt,

Bis euch die Kirch' einander einverleibt! Durch die Verlegung jener Worte in der Goetheschen Fassung ans Ende dieser Szene haben die oben(bei 1) geäußerten Bedenken noch außerdem eine befriedigende Lösung gefunden.

Sh 1721 ff.

More validitie, More honourable state, more courtship lives In carrion flies, then Romeo:

war schon im Urtext flüchtig ausgedrückt und nicht leicht zu übersetzen, auch wenn Schlegel mit Malone, Johnson, Steevens und Reede las: than R; denn je nach dem, was man dazu ergänzt(lives in R., oder R.has, oder R.en joys), wird man die einzelnen Subjekte zu lives übersetzen können und müssen. Dem Zusammenhange nach muß than R. enjoys: oder ,than R. may enjoy angenommen werden. Denn Hund und Katze, selbst die Maus, sagt er, dürfen Julien ansehen: aber R. darf es nicht; die Fliegen dürfen sich ihrer weißen Hand bemächtigen und Küsse von ihren Lippen stehlen: aber R. darf es nicht.Sie haben also hier(here) mehr Macht(v.), genießen mehr Ansehen(h. st.), bekommen mehrRecht(c.) zärtlich gegen J. zu sein als R. Nach Schlegel tritt nun weder diese Bedeutung der drei Subjekte, namentlich des courtship, noch der Sinn der ganzen Stelle überhaupt klar und deutlich hervor; ja, er wird geradezu in das Gegenteil von dem verkehrt, was sie dem Zusammenhange nach allein bedeuten kann, und zu Ungunsten der persönlichen Eigenschaften des R. und ihrer Betätigung durch ihn gedeutet, wenn S die obenstehende Stelle übersetzt: Mehr Würdigkeit, Mehr Ansehn, mehr gefäll'ge Sätte lebt In Fliegen, als im Romeo!*

Das konnte und durfte Goethe dem Romeo nicht mit antun, ihn in bezug aufgefäll'ge Sitte persönlich noch unter die Fliegen zu stellen! Die beiden E hatten übersetzt:Arm- selige Fliegen haben mehr Recht, angesehenere Würde, größere Vorzüge, als Romeo! Das war schon besser! Aber durch das fürcourtship gewählte Wort war immer noch eine Unklarheit vorhanden; denn hieß das: ‚besitzen größere Vorzüge in sich, bessere Eigenschaften in sich, als R. in sich hat? oder hieß es: ‚bekommen mehr Vorzüge eingeräumt, ‚genießen mehr Vorzüge als R.? Abgesehen davon, daß Goethen das Vorausgehende und Nachfolgende auch in S auf das Richtige führen mußte, wird er also wohl auch hier auf den Urtext zurück- gegangen sein, um die Stelle sowohl in bezug auf das Prädikat wie auf die Vergleichung, aber auch in bezug auf courtship richtig so zu geben:

Genießt doch jede Fliege Mehr Ansehn, Vorzug, mehr Begünstigung Als Romeo.

5) Die zwischen*-*(stehenden) oder mit* bezeichneten Worte sind Goethen allein eigen.