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für das reine Denken auch noch in der Frucht liegt, wenn sie sich auch für die Sinne in die Frucht aufgelöst und ihr Eigen-Dasein in der aufgegeben hat, in der sie endet. Auch das hat Goethe wohl gefühlt und deshalb die Freundschaft als„ew'ge“ bezeichnet; denn dann ist sozusagen in dem ersten Stück der Freundschaft, die beginnt, auch auf ewig das letzte Stück des Grolles enthalten, der in ihr„endet“.(3.) Wenn S nach„wendet“ kein Komma gesetzt hätte, so würde man ja wohl das„sich“ der ersten Zeile auch als Objekt zu dem Verb der zweiten Zeile ziehen und dann, wenigstens nach dem neueren Sprachgebrauch, bei „in Freundschaft“ das Substantiv im Akkusativ annehmen können. Dann würde„in(die) Freundschaft enden“ die Richtung angeben, nach der hin sich der Groll bewegen wird, das Ziel angeben, in das er auslaufen soll. Hat er dieses erreicht, dann ist er auch wirklich nicht mehr da: er muß vom Schauplatz abtreten, und die Freundschaft ist es, welche, allein noch sichtbar als Daseins berechtigt, auf ihrem Platze aushält.(4.) Bis jetzt haben wir stillschweigend angenommen, daß das„daß“ der ersten Zeile nach dem„und“ der zweiten Zeile zu ergänzen ist und wir in beiden zwei einander beigeordnete Nebensätze vor uns haben, deren ,daß“ von dem in ‚vielleicht“ steckenden ,es ist möglich“, ‚es kann sein(peut 6tre)“, ‚es ist zu wünschen“ u. dgl. abhängt. Wie aber, wenn das nicht richtig wäre? wenn wir, wozu uns das Komma nach der ersten Zeile berechtigt, den Satz der zweiten Zeile als für sich allein stehenden Hauptsatz auffaßten, dessen Prädikat dem Reime zuliebe ans Ende zu setzen dem Dichter erlaubt ist? Dann würden wir den Sinn erhalten:„Und—(ich bin dessen gewiß) eurer Väter Groll endet durch ihn in Freundschaft.“ Das Schlegelsche„durch ihn“ weist geradezu darauf hin und bestätigt die oben(in 2) ausgesprochene Meinung. Auf jeden Fall gab es hier für einen vorsichtig alles erwägenden Mann der Bedenken so viele, daß er auf den eigentlichen Text zurückgehen mufßte, um nicht bloß selbst zur Klarheit darüber zu kommen, sondern auch andere dazu zu bringen. Wörtlich aber übersetzt heißt dieser: „Denn dieser Bund kann so glücklich ausschlagen(ein so glückliches Endergebnis haben), daß er eurer Häuser Groll auf reine Liebe richtet, zu reiner Liebe wendet(führt), in reine Liebe umwandelt**). Der Sinn und die Ordnung der Verben sind also bei Sh gerade um- gekehrt wie bei S. Schlegel scheint darauf dadurch gekommen zu sein, daß to turn to pure Jove seine Aufmerksamkeit gleich so fesselte, daß er, nun sofort von der intransitiven oder neutralen Bedeutung des„to turn into“ ausgehend, so übersetzte, wie er übersetzt hat, und, wenn sein„endet“ dementsprechend auch intransitiv oder neutral ist, die Geltung„von rancor“ als Akkusativ-Objekt zu„to turn“ ganz übersah. Die beiden E hatten übersetzt:„Denn diese Verbindung kann das glückliche Mittel werden, euren Familienhaß in reine Liebe zu ver- wandeln“. Vielleicht erst durch diese Ubersetzung angeregt, sah sich Goethe veranlaßt, auf Sh zurückzugreifen und auf dessen Grunde die Stelle so wiederzugeben, wie sie nach dem Vorausgehenden allein richtig sein kann: „Vielleicht daß dieser Bund im höchsten Glück sich endet Und eurer Häuser Groll in eu'ge Freundschaft wendet.“
Bei Goethe spricht sie übrigens Lorenzo zu Romeo nicht schon, nachdem ihn dieser in seine Liebe zu Julien eingeweiht und um seinen Segen für diesen Bund durch die an demselben Tage vorzunehmende Trauung gebeten hat,(Sh. II, 3 a. E.), sondern— mit Weglassung von
¹²) Der Leesche Codex(Oxford 1902) liest: household rancor= Hausgroll, Familiengroll.


