Aufsatz 
Das Verhältnis von Goethes "Romeo und Julia" zu Shakespeares gleichnamiger Tragödie / von G. R. Hauschild
Entstehung
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des Planes bezogen,daß sich dieses herrliche Stück zusammenrücken und in einer gedrängteren Form darstellen ließe. Doch wurde von seinenVorschlägen nichts angenommen, als daß der größte Teil der Exposition auf den Maskenball verlegt wurde, welches ich Ihnen schon damals vorschlug und in Ihrem Manuscripte angemerkt hatte: so schreibt P. A. Wolff am 20. Februar 1812(W.-A., Anhang zu R. und J.) an Rühle von Lilienstern, der sich also schon vor Wolff mit dem Gedanken getragen und auch schriftlich beschäftigt haben muß, wie man dieses Stück szenisch anlegen und einteilen müsse, um es zu einer den veränderten Verhältnissen angepaßten Aufführung auf der Bühne zu Weimar zu bringen. Auf solche bühnen- technische Beihilfe und solchen schauspielerischen Beirat könnte sich auch Wolffs Mitwirkung, der auch die Regie bei den späteren Aufführungen hatte,¹¹) allein erstreckt haben. Anders steht es mit der Riemers. Das zeigt uns die Zusammenstellung der Lesarten zu dem einen von den zwei für den Regiegebrauch eingerichteten Manuscripten des Weimarischen Hoftheaters, welches ebendort unter H. alsAbschrift der ersten Niederschrift, zum praktischen Theater- gebrauch bezeichnet und als die Abschrift aufgefaßt wird, von der Goethe am 31. 12. 1811 (s. o.) bemerkt:Abschrift von R. und J. besorgt. Sie wird von Riemer während der ersten Januarwochen 1812 überwacht, in ihren Schreibfehlern verbessert und auch in bezug auf einige Unebenheiten des Ausdrucks, der Szenerie und der Interpunktion, in welche wohl auch ein Goethe bei der von den Umständen geforderten Schnelligkeit des Arbeitens geraten konnte, geglättet worden sein. Am 20. Januar 1812 versah sie Goethe unterG d 20 Jan. 1812 mit seinem Approbationszeichen, so daß sie nun, nachdem sie unterF. v. M. d. 22. Januar 1812 an den Kanazler Müller von ihm weitergeschickt worden war, vom 23. Januar ab bei den Lese- und Theaterproben benutzt bezw. auf Grund der bei diesen gefundenen Anstände unter g und ge noch weiterbühnenrein gemacht werden honnte. Daß Riemer dabei gewiß, wie schon vorher(s. o.) wahrscheinlich, selbsttätig, ja selbständig mitgewirkt hat, schließt man aus den betreffenden in seiner Handschrift auftretenden Notizen in H, aus dessen verschiedener Tinte, aus aufgeklebten Zettelchen u. dgl. Im Grunde genommen weder sehr zahlreich, noch sehr bedeutungsvoll, werden sie bei der Besprechung der Arbeit im einzelnen weiter unten erwähnt werden.¹²) Manches davon dürfte auch, wenn auch auf Riemers Hand, so doch auf Goethes Anregung, d. h. auf die nachträgliche Benutzung Eschen- burgs(s. o.), zurückzuführen sein.

Die Hauptarbeit hatte also doch Goethe geleistet, Riemer nur das mechanische Bei- werk(der zweiten und wiederholten Korrektur u. dgl.) besorgt, dessen sich der viel- beschäftigte Goethe wohl entschlagen konnte und durfte. Es kann ja auch, die Ehrlichkeit der Beteiligten von vornherein angenommen, gar nicht anders sein: das bezeugen die KXuße- rungen Goethes von sich und seiner Arbeit in den obenstehenden Briefen, die oben schon

) Goethes Werke 10. Teil S. 573, herausgegeben und mit Anmerkungen begleitet von Fr. Strehlke (Berlin, Hempel). Wolffs Mitwirkung in dieser Beziehung wird auch von Genast, a. a. O. S. 110, für wahr- scheinlich gehalten.

⁴²) J. Minor,Lesarten zu Goethes R. und J. in der Festschrift zum VIII. Allgemeinen Deutschen Neuphilologentage zu Wien 1898(Wien und Leipzig 1898, Braumüller) zeigt, daß und warum Riemers bezügliche Anderungen nachträglich von Goethe angenommen und zugelassen werden(mußten). Vorher weist er nach, daß nicht erst der 20. Januar 1812 derTag der letzten abschließenden Durchsicht dieses Ms.(W.-A. a. a. O. S. 511) seitens Goethes gewesen sein kann.